25.06.06
Alter: 6 Jahre
Schweizer UMTS-Studie vom Juni 2006
Alter: 6 Jahre
In der holländischen TNO-Studie (2003) verursachte UMTS-Strahlung von 45 Minuten Dauer signifikant Beschwerden, und dies nicht nur bei sensiblen, sondern sogar bei nichtsensiblen Personen. In der Schweiz war gemäss Aussage der Autoren kein Effekt zu beobachten. Woher dieser Widerspruch?
Mit freundlichen Grüßen übersandt
Volker Hartenstein,
MdL a.D.Gemeinsame kritische Stellungnahme von Organisationen und Fachkräften zur Schweizer UMTS-Studie vom Juni 2006
ZUSAMMENFASSUNG
In der holländischen TNO-Studie (2003) verursachte UMTS-Strahlung
von 45 Minuten Dauer signifikant Beschwerden, und dies nicht nur
bei sensiblen, sondern sogar bei nichtsensiblen Personen. In der
Schweiz war gemäss Aussage der Autoren kein Effekt zu
beobachten. Woher dieser Widerspruch?
Grundsätzlich sind Studien mit bloss kurzzeitiger Bestrahlung
ungeeignet, wo es um die Auswirkungen der
Antennen-Dauerstrahlung geht. Untersucht man die beiden Studien
trotzdem, so fällt auf, dass in Zürich die sensiblen Probanden
im Durchschnitt 20 Jahre jünger waren als in Holland. Ausserdem
wurden sie hier nicht nur mit 1 Volt pro Meter, sondern
zusätzlich mit dem extrem hohen Wert von 10 V/m bestrahlt. Das
ist fast das Doppelte des Schweizer Grenzwertes. Einzelne
Probanden hatten denn auch massive Beschwerden, aber davon stand
in der Studie nichts.
Man kann also die beiden Studien eigentlich gar nicht
vergleichen. Völlig unzulässig ist die in der Presse zu lesende
Behauptung, die TNO-Studie sei durch die Schweizer Studie
"widerlegt" worden. Es ist umgekehrt: Die TNO-Studie ist der
komplexen Realität nahe gekommen, die Zürcher Studie - wenn man
nur die publizierten Informationen nimmt - jedoch nicht.
Und was ist diese komplexe Realität? - Massgebend sind die
Praxiserfahrungen von spezialisierten Ärzten, Messfachleuten und
Betroffenenorganisationen ganz Mitteleuropas. Seit Jahren
existiert ein umfangreiches Erfahrungswissen über den
Zusammenhang von GSM-Mobilfunkstrahlung mit Beschwerden oder
Krankheiten. Und die nunmehr zweijährigen Praxiserfahrungen mit
UMTS zeigen, dass ein solcher Zusammenhang auch bei
UMTS-Strahlung besteht. Doch dieses Erfahrungswissen wird vom
universitären Wissenschaftsbetrieb ignoriert, nur weil es
statistisch nicht direkt verwertbar ist. Man glaubt heute lieber
den Statistiken als der konkret erfahrbaren Realität. Zwar gibt
es Einzelwissenschafter, die seit Jahren deutlich vor dem
Strahlungsrisiko warnen, aber auch sie werden ignoriert.
Wir fordern: Trotz des negativen Ergebnisses der Schweizer
UMTS-Studie darf jetzt keinesfalls Entwarnung gegeben werden.
Kurzfristig ist nach wie vor ein Ausbaustopp der GSM- und
UMTS-Mobilfunknetze die einzige verantwortbare Option. Die
bestehenden Netze sind betrieblich zu einem einzigen Netz zu
vereinen. Dieses kann dann wesentlich gestrafft und optimiert
werden, und zur Schlafenszeit können zwei Drittel der
Basisstationen ganz abgestellt werden. Zugleich sind die
Sendeleistungen allgemein drastisch zu reduzieren. Langfristig
kommt nur eine völlig andersartige, noch zu entwickelnde,
möglichst risikoarme Mobilfunktechnologie in Frage. Die heutige,
äusserst risikoreiche gepulste Mobilfunkstrahlung ist so rasch
als möglich zu verlassen.
DIE HINTERGRÜNDE
Die Praxiserfahrung widerspricht dem Schweizer Studienergebnis
Die positiven Resultate der holländischen TNO-Studie wurden in
Zürich nicht bestätigt. Doch die holländische Studie liegt
wahrscheinlich näher bei der Realität. Dies wird nachfolgend
begründet. - Die vorliegende Stellungnahme zu der am 6. Juni
2006 den Medien vorgestellten Schweizer UMTS-Studie basiert auf
der Tatsache, dass durch die Arbeit von Umweltärzten, baubiolo
gisch geschulten Messfachleuten und Betroffenenorganisationen
ganz Mitteleuropas seit Jahren ein umfangreiches, sich laufend
erweiterndes Erfahrungswissen vorhanden ist. Der Zusammenhang
zwischen elektromagnetischer Hochfrequenzstrahlung und
Beschwerden oder Krankheiten ist in der Praxis längst
nachgewiesen. Es gibt verlässliche, international übernommene
baubiologische Richtwerte für Strahlungsimmissionen1, erarbeitet
anhand Tausender von Praxisfällen. Diese Richtwerte liegen um
Grössenordnungen tiefer als der Schweizer Vorsorgewert
(Anlagegrenzwert), welcher die Bevölkerung offensichtlich nicht
zu schützen vermag. Die Richtwerte gelten bisher für GSM-Strah
lung. Aber gemäss Berichten Betroffener ist UMTS-Strahlung
mindestens so aggressiv.
Ist die Schweizer UMTS-Studie wirklich "wissenschaftlich"?
Das hohe Gesundheitsrisiko der Hochfrequenzstrahlung ist also
evident. Doch diese Evidenz wird vom universitären
Wissenschaftsbetrieb ignoriert. Einzelne Wissenschafter sprechen
zwar seit Jahren deutliche Warnungen aus. Aber sie dringen nicht
durch. Denn der universitäre Wissenschaftsbetrieb als Ganzes,
der die öffentliche Meinung beherrscht, sieht sich selbst als
die allein massgebende Instanz für ein gültiges Urteil über die
Strahlungswirkungen. Diesen Anspruch konnte er in den Augen von
Politik, Recht und Öffentlichkeit bisher aufrechterhalten, aber
zu Unrecht. Denn ob Mobilfunkstrahlung schädlich sei oder
nicht, wird in vielen Studien oder in deren Interpretation
leider nicht von unvoreingenommenem Forschergeist, sondern von
der Mobilfunkbranche im Bunde mit den immer wirtschaftslastiger
werdenden Hochschulen bestimmt. Auch bei der Schweizer
UMTS-Studie bestand wahrscheinlich ein solcher Einfluss (direkt
oder indirekt) auf das Design, ganz offensichtlich aber auf die
Medienpräsentation der Studie vom 6.6.06. Das ist mit
Wissenschaftlichkeit nicht vereinbar. (Die TNO-Studie war
wirtschaftsunabhängig finanziert.)
Kurzzeit-Provokationsstudien für Antennen ungeeignet
Dazu kommt, dass Studien, in denen Beschwerden mit kurzzeitiger
(hier 45-minütiger) Bestrahlung provoziert werden, für die
Beurteilungen des Antennen-Gesundheitsrisikos grundsätzlich
ungeeignet sind. Antennen sind Dauerstrahler. Sogar die Autoren
selbst geben zu, dass ihre Studie über das langfristige Risiko
keine Aussage erlaube. Im eklatanten Widerspruch zu diesem
Eingeständnis wurde jedoch den Medien an der Präsentation der
Studie vom 6.6.06 ein Freipass für den schrankenlosen
Weiterausbau der UMTS-Netze suggeriert. Die Schlagzeilen der
Tagespresse vermittelten der Bevölkerung denn auch fast
durchwegs den Eindruck einer gänzlichen Entwarnung.
Elektrosensibilität existiert sehr wohl
Die Schweizer UMTS-Studie ist eigentlich nichts anderes als eine
(misslungene) Abklärung, ob es spontan auf UMTS-Strahlung
reagierende Elektrosensible gibt. In Zürich war die Zahl der
Sensiblen 2,5-mal kleiner als diejenige der Nichtsensiblen, und
die Sensiblen waren im Durchschnitt 20 Jahre jünger als bei der
TNO-Studie. Die Sensibilität nimmt jedoch mit dem Alter stark
zu. Überdies waren z.B. starke Schlafstörungen von Kandidaten
ein Grund, diese als Probanden zurückzuweisen. Aber die meisten
Sensiblen leiden bei Mobilfunkstrahlung unter Schlafstörungen! -
Es muss also angenommen werden, dass der (stetig wachsende)
empfindlichere Teil der Bevölkerung in dieser Studie nicht
repräsentativ vertreten war. Dieser Bevölkerungsteil ist
derjenige, der gemäss Umweltschutzgesetz Art.13 besonders
geschützt werden müsste. Es sind diejenigen Menschen, für deren
Wohlergehen und Rechte wir uns bevorzugt einsetzen. Sie sind das
Frühwarnsystem der Gesellschaft.
Verflechtung zwischen Wirtschaft, universitärem
Wissenschaftsbetrieb und WHO
Die Bevölkerung wird über die wahren Risiken der
elektromagnetischen Strahlung systematisch getäuscht. Die
Einflussnahme der Wirtschaft auf die Entscheidungsträger zeigt
es. - Ein Beispiel: Die NIRMED2, ein Zusammenschluss von im
universitären Wissenschaftsbetrieb integrierten Ärzten, kriti
sierte gezielt die TNO-Studie (Beschwerden wegen UMTS-Strahlung)
und die REFLEX-Studie (Schädigung der Erbsubstanz durch
Hochfrequenzstrahlung). Es war nicht eine kollegiale,
fruchtbringende Wissenschaftskritik, sondern ein schlecht
verhüllter Versuch einer Abqualifizierung. Eine weitere
diskreditierende Kritik der TNO-Studie stammt von Gregor
Dürrenberger von der "Forschungsstiftung Mobilkommunikation" an
der ETH, die von den Betreibern finanziert ist. Generalsekretär
der NIRMED ist Reinhold Berz, der als Berater der Swisscom
fungiert und ein an die Ärzte gerichtetes, die
Mobilfunkstrahlung verharmlosendes Buch3 geschrieben hat, das
eine Mischung korrekter Informationen, gezielter Weglassungen
und nachweislicher Fehler ist. Genau dieselben fachlichen Fehler
finden sich in einer Publikation auf der Website der NIRMED. Die
NIRMED war es auch, die für eine TNO-Nachfolgestudie einen
zusätzlichen Bestrahlungswert von 10 V/m (und die Anfertigung
eines "Psychoprofils" für jeden Probanden!) vorschlug. Diese
NIRMED hat sich der WHO (Welt-Gesundheits-Organisation)
angedient. Die WHO versucht in einem Fact Sheet4 die
elektrosensiblen Menschen in die Psychiatrie abzudrängen.
Dasselbe tat auch ein Artikel in der vom Forum Mobil für die
Schweizer Ärzte herausgegebenen Zeitschrift "Frequentia"5, und
gleiches wurde an der Medienkonferenz vom 6.6.06 versucht. - Der
Schlusssatz der NIRMED-Stellungnahme zur Schweizer UMTS-Studie
lautet: "Diese Studienergebnisse sollten vor allem dazu
beitragen, die Befürchtungen und Vorbehalte in der Bevölkerung
gegenüber der UMTS-Technologie zu vermindern." - Deutlicher
könnte wohl der Einfluss der Mobilfunkbetreiber, die 40% der
Studie bezahlt haben, nicht illustriert werden. Ein solcher
Einfluss seitens der Industrie wird bestätigt durch eine
Untersuchung von H.C.Lai (2006) an 308 Studien über
elektromagnetische Auswirkungen, publiziert seit 1994: Effekte
auf den Organismus fanden gut zwei Drittel (68%) der unabhängig
finanzierten Studien, aber nur 29% der von der Industrie
geförderten Studien.
Schweizer UMTS-Studie "besser" als TNO-Studie?
Das Schweizer UMTS-Signal war gemäss der englischen
Originalpublikation dasselbe Signal, wie es die holländische
TNO-Studie verwendete, nämlich die Gesamtheit der 4 Pilotkanäle
("Standby", massgebend bei Schwachlastbetrieb). Ob aber die
Mischung der Pilotkanäle und damit auch die Pulsung wirklich
dieselbe war, ist aufgrund fehlender Angaben in der Schweizer
Studie nicht nachprüfbar. - Das als Variante zusätzlich
ausgestrahlte GSM-Signal der TNO-Studie wurde in der Schweiz
weggelassen. Warum? Befürchtete man positive Studienergebnisse,
wodurch die in der Praxis offensichtliche Schädlichkeit der
bisherigen GSM-Strahlung wissenschaftlich bestätigt worden wäre?
- Unterschiede bestanden ferner, wie schon erwähnt, bei den
Probanden, vor allem in Bezug auf das 20 Jahre jüngere
Durchschnittsalter der Schweizer Probanden. - Ausserdem mussten
die Probanden nicht nur eine praxisnahe Strahlung von 1 V/m wie
bei der TNO-Studie, sondern zusätzlich (wie von der NIRMED
vorgeschlagen) die extrem hohe Strahlung von 10 V/m aushalten,
was fast dem doppelten (!) Schweizer Anlagegrenzwert
entspricht. Aufgrund der Erfahrungen Sensibler mit Strahlung in
Grenzwertnähe müssen Probanden darauf reagiert haben. Wie
nachträglich von Probanden zu erfahren war, gab es tatsächlich
solche Beschwerden teils massiver Art. Aus der Studie erfuhr man
davon jedoch nichts. Da wurde nur die statistisch
herausgefilterte Aussage publiziert, dass keine Veränderung des
Wohlbefindens feststellbar gewesen sei. - Die Praxiserfahrung
ist bestätigt worden, dass eine Anzahl Einzelfälle, die unter
realen Alltagsbedingungen sorgfältig abgeklärt werden,
insgesamt viel aussagekräftiger sind als statistische
Auswertungen von Labor-Experimenten, deren Resultate überdies je
nach den gewählten Randbedingungen verfälscht herauskommen oder
sogar bewusst manipuliert werden können. Aber der
Wissenschaftsbetrieb will Statistiken haben. - Ein "Zufall" soll
sein, dass die TNO-Resultate positiv ausgefallen waren (NZZ,
7.6.06)? Zutreffender ist die Aussage: Bei der holländischen
TNO-Studie war es ein Glücksfall, dass sich die komplexe
Realität im vereinfachenden Laborexperiment dennoch abbildete.
14. Juni 2006
Diese Stellungnahme wurde verfasst von der Bürgerwelle Schweiz.
Sie wird von den folgenden Organisationen und Persönlichkeiten
mitgetragen:
Organisationen:
Gigaherz Hans-Ulrich Jakob, www.gigaherz.ch
Diagnose-Funk Lothar Geppert, www.diagnose-funk.ch
Kombas Uwe Dinger, www.kombas.ch
BürgerwelleCH Peter Schlegel, www.buergerwelle-schweiz.org
IStopp Elektrosmog Markus Durrer, www.stopp-elektrosmog.ch.vu
IGEW Emil Guntersweiler, Pius Heeb, www.igew.ch
Mobilfunk mit Mass in Erlenbach, www.mobilfunk-erlenbach.chPrighel smog electric Surselva
Einzelpersonen:
Jürg Zimmermann, Umwelt-Analytiker, Emmenbrücke.
Die Liste wird fortgeführt)
Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin dass jedes Mitglied für seine Beitrage persönlich haftet. Volker Hartenstein,
Roßhirtstr. 11, 97199 Ochsenfurt
Tel.: (09331) 2825, Web-Fax: 01212 5 013 27 769
E-Mail: vohar@skydsl.de
Ziel dieser Mailing-Liste ist die möglichst weite Verbreitung von (Fach-)Informationen zum Thema ´Hochfrequenzfelder´. Die Auswahl der Texte/Textpassagen erfolgt mit Sorgfalt. Dennoch kann ich fürVollständigkeit und Richtigkeit keine Haftung übernehmen! Auch spiegeln die Beiträge nicht immer meine eigene Auffassung wider!
Volker Hartenstein