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25.06.09
Alter: 3 Jahre
Handys und Mobilfunkmasten setzen Zellen unter Stress und lassen die Regierung lügen

 

Rezension zu "Zellen im Strahlenstress"

Rezension zu "Zellen im Strahlenstress"

 

Warum Mobilfunkstrahlung krank macht. 

Eckpunkte internationaler Mobilfunkforschung. Autorenteam Stuttgart-West

52 Seiten, vierfarbig, 20 Bilder und Grafiken, Mai 2009

16-seitige Beilage:

Von subtiler Fälschung zur Wissenschaftskriminalität 

Aktualisierte Fortschreibung der Broschüre „Die Fälscher“. 

 

Bestellung:

Für Deutschland: bestellung@der-mast-muss-weg.de

Für die Schweiz: Diagnose-Funk

Preis: 6,00 Euro zzgl. Porto und Verpackungskosten 

 

 

REZENSION von Professor Karl Richter

 

Handys und Mobilfunkmasten setzen Zellen unter Stress und lassen die Regierung lügen

 

Wie gefährlich sind Handys und Mobilfunkmasten wirklich? Fast alle lieben ihr Handy und die schöne kabellose Welt – und neigen dazu, die aufgeworfene Frage zu verdrängen. Die neue Broschüre des bekannten Stuttgarter Vereins zum Schutz der Bevölkerung vor Elektrosmog e. V. (www.der-mast-muss-weg.de) beantwortet sie gleich in zweifacher Hinsicht. Zellen im Strahlenstress handelt aus medizinisch-biowissenschaftlicher Perspektive von dem Zellgeschehen, das die elektromagnetischen Felder in Gang setzen. Aber es ist auch eine Recherche über wissenschaftliche und politische Verhältnisse, die sich im Gefolge der jungen Kommunikationstechnologien mehr und mehr ausgebreitet haben. 

 

Biologischen Mechanismen der Wirkung 

 

Während Bundesregierung und Industrie gemeinschaftlich behaupten, es gäbe keinerlei Forschungsergebnisse, die Risiken der Mobilfunktechnologie beweisen, erfährt man es in dieser Publikation anders. Sie bietet einen differenzierten Einblick in die biologischen Mechanismen der Wirkung. Den Ausgangspunkt bilden zwei unbestrittene Grundtatsachen: Zellvorgänge werden elektrisch und elektromagnetisch gesteuert; und Lebewesen brauchen dazu die ungestörte natürliche Strahlungsumgebung. Von da aus nimmt die Darstellung auch den Nichtbiologen auf eine spannende Reise in das Innere unserer Zellen mit. Sie zeigt, wie und warum die elektromagnetischen Felder des Mobilfunks das Zellgeschehen stören. Ausführlich werden Forschungsergebnisse mitgeteilt, die nachweisen, dass die gepulste Mikrowellenstrahlung zellschädigende Freie Radikale generiert und damit eine Reihe von Krankheiten auslösen kann. U. a. wird gezeigt, welche zellulären Prozesse unter dem Einfluss der Strahlung zu Kopfschmerzen, Erschöpfung, Spermienschädigungen oder Krebs führen können. Die oft sehr komplexen Prozesse werden mit Hilfe von Grafiken verständlicher gemacht. Materialreiche Fußnoten dokumentieren den internationalen Stand der Forschung und belegen auf überzeugender Grundlage, dass die These, man kenne noch keine Wirkmechanismen der Schädigung, eindeutig falsch ist. 

 

 

Gesellschafts- und Wissenschaftskritik

 

Zu den Besonderheiten der Studie gehört, dass sie die biowissenschaftlichen Informationen in einen gesellschaftskritischen Kontext einbettet. Nach allgemeiner Auffassung hat der Staat die Aufgabe, seine Bürger vor den Wirkungen einer profitgierigen Industrie zu schützen. Hier erfährt man, auf welchen Wegen die Verstrickung des Staates in die Geschäfte der Mobilfunkindustrie diese Kontrollfunktion zugunsten einer Komplizenschaft aufgehoben hat. Gezeigt wird, was alles verschwiegen wird - etwa die Erkenntnisse einer besonderen Schädlichkeit der UMTS-Technologie. An den Gründen dieses Verschweigens wird kein Zweifel gelassen: „Einer staatlich geförderten unabhängigen Forschung müsste höchste Priorität eingeräumt werden. Aber 50 Milliarden Euro Lizenzgebühren definieren Gesundheit zur Gesundheit der Staatskasse um“. 

 

Die Broschüre enthüllt an zahlreichen Beispielen die lobbyistische Unterwanderung von Politik und Gesellschaft, die sich nicht zuletzt im Festhalten an weit überhöhten Grenzwerten, aber auch z. B. in Gefälligkeitsgutachten äußert und in die Verharmlosungen durch das Deutsche Mobilfunk Forschungsprogramm hineinreicht. Die 16-seitige Beilage Von subtiler Fälschung zur Wissenschaftskriminalität dokumentiert, wie Wissenschaftler dem Staat und der Industrie behilflich sind, unbequeme Forschungsergebnisse zu zerreden oder zu verfälschen. Faktenreich wird belegt, wie Regierung, Bundesamt für Strahlenschutz und andere Behörden mit der Wahrheit umgehen und wichtige Errungenschaften demokratischer Kultur gegen die Wand gefahren werden. Die Beilage folgt der Analyse des Soziologen Ulrich Beck, der in seinem Buch Weltrisikogesellschaft die betriebene Umweltpolitik als System „organisierter Unverantwortlichkeit“ beschreibt: Regierung und Behörden sind zu Legitimationsorganen der Industrie verkommen, auch die Medien an der Verleugnung der Wahrheit beteiligt. Die Gesellschaft wird als lobbyistischer Sumpf gesehen, in dem nur Bürgerbewegungen noch nach der Wahrheit streben. 

 

Mancher Wissenschaftler, der mit Rücksicht auf seine Existenz nicht alles sagen kann, wird gut informierten Bürgerinitiativen diesen Mut zur Wahrheit danken, auch wenn die ungewöhnliche Deutlichkeit der Aussagen nicht immer der ihm vertrauten wissenschaftlichen ,Dezenz’ entspricht. Die Schrift ist ein bemerkenswertes wissenschaftskritisches Dokument gerade auch deshalb, weil Bürger die deutliche Kritik formuliert haben. 

 

Zwischen Anklage und Aufforderung zum Selbstschutz

 

Die Schrift formuliert von Anfang bis Ende eine herbe Anklage, die sich gleichermaßen gegen eine profitgierige Industrie, einen pflichtvergessenen Staat und eine Wissenschaft ohne Gewissen richtet. Lassen wir sie mit dem Schluss der Beilage am besten selbst sprechen: 

 

„Die zunehmende Dichte und Stärke der elektromagnetischen Felder, die inzwischen das natürliche Vorkommen millionenfach übersteigen, stören heute schon das sensible Gleichgewicht in allen Lebensabläufen. Deshalb ordnet die Europäische Umweltagentur (EUA) den Mobilfunk in eine Gefahrenkategorie mit dem Klimawandel und den genveränderten Organismen (GVO) ein, als einen Bestandteil der Umweltkatastrophe. Das hat jetzt auch der BUND erkannt und lehnt diese Technik kategorisch ab. Darauf zu vertrauen, dass die herrschende politische und wirtschaftliche Elite die Umweltfragen lösen werden, ist so, als würde man eine Gruppe von Alkoholikern bitten, eine Bar vernünftig zu leiten. Wie die gegenwärtige Wirtschaftskrise zeigt, macht die Gier nach Profit skrupellos und besoffen. Es geht nicht darum, die bürgerlichen Politiker zu überzeugen, ihnen liegen die wissenschaftlichen Erkenntnisse vor, sondern sie unter Druck zu setzen und politische Reformen zu verlangen. Die Studie der EUA zeigt deutlich, dass die Frage ,Gesundheitsschutz oder Profit’ eine System- und Machtfrage ist. Die fortschrittliche Wissenschaft muss deshalb der Erkenntnis der Wahrheit und dem politischen Widerstand dienen.“ 

 

Aber das Wissen begründet im Verständnis dieser Schrift nicht nur die scharfe Kritik. Es will auch Hilfe zur Selbsthilfe bieten. Denn wer das Gefahrenpotenzial kennt, kann sich und seine Kinder auch besser dagegen schützen!Für den Wissenschaftler ist es ungewohnt, auf dem Titelblatt nur ein Autorenkollektiv, keine Verfassernamen angegeben zu finden, womit es jedoch seine besondere Bewandtnis hat. Tatsächlich haben Wissenschaftler vor Ort mitgewirkt, die sich aber z. T. nicht nennen können, ohne ihre Stellung zu gefährden – so weit haben wir es mit unserer Demokratie immerhin gebracht! Aber die individuelle Leistung scheint hier auch beinahe nebensächlich gegenüber der gemeinschaftlich erarbeiteten Information, was man im Fall einer populärwissenschaftlichen Schrift auch leichter goutieren kann als in einer fachwissenschaftlichen Publikation. 

 

Der Anspruch der Schrift ist in dieser Hinsicht nicht ganz einfach zu beurteilen. Sie zeigt ein wissenschaftliches Informationsniveau, das man manchem heutigen Politik-Berater nur wünschen würde. Sie ist im besten und anspruchsvollsten Sinne ‚Populärwissenschaft’, die ihre Aufgabe auch darin sieht, Erkenntnisse fachwissenschaftlicher Literatur dem Laien zu vermitteln und für ihn leichter lesbar zu machen. Und sie ist zugleich eine interdisziplinäre Schrift, die naturwissenschaftliche und sozialwissenschaftliche Orientierungen verbindet. Aber sie ist gerade auch in diesen Vermittlungen des zunächst Auseinanderliegenden ein bemerkenswertes Dokument, das zeigt, zu welchem wissenschaftlichen und ethischen Niveau, aber auch welcher politischen Bewusstheit es Bürgerinitiativen heute zuweilen gebracht haben! 

 

Karl Richter 

Quelle: www.diagnose-funk.org/gesundheit/wissenschaftspolitik/zellen-im-strahlenstress-.html