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22.07.09
Alter: 3 Jahre
Effekte elektromagnetischer Felder: Stand der Forschung Höhepunkte von der BioEM 2009

 

BioEM 2009 – Kongress der Bioelectromagnetics Society BEMS und der European BioElectromagnetics Association EBEA vom 14.-19. Juni 2009 in Davos

* Lloyd Morgan ist Mitglied im Direktorium des Zentralen Hirntumorregisters der USA (www.cbtrus.org) in der Funktion als Patientenvertreter. Er ist Mitglied der Bioelectromagnetics Society BEMS (www.bioelectromagnetics.org) und ehrenamtlicher Mitarbeiter der National Brain Tumour Foundation (www.braintumor.org). Ursprünglich Elektronik-Ingenieur, hat er sich seit 1995 auf das Studium des Zusammenhangs von elektromagnetischen Feldern und Gesundheitsproblemen konzentriert. In Vertretung dieses Aspektes besucht er jährlich mehrere Wissenschaftstreffen wie zum Beispiel diejenigen der Bioelectromagnetics Society, der Neuro-Oncology Society, der American Academy of Environmental Medicine und des Brain Tumor Epidemiology Consortium.

 

Die BioEM 2009 als ein Brennpunkt der internationalen Forschung

 

Von Peter Schlegel

 

Der Bericht von Lloyd Morgan wirft Streiflichter auf ein grosses Wirkungsfeld, trifft aber zentrale Punkte. Sein Autor ist nicht an eine industrielle Interessengruppe gebunden und nicht von Forschungsgeldern abhängig. Dies erlaubt ihm, eine gewisse kritische Haltung zu vertreten. Von seinem kompetenten Durchblick konnte ich mich in einem fünfstündigen Gespräch am 17. Juni 2009 in Davos überzeugen.

 

Die in Davos vereinigte Scientific Community ist vielgestaltig. Jeder Forscher bewegt sich auf seine Art im Spannungsfeld zwischen Industriemacht und Verantwortung für die menschliche Gesellschaft. Nach aussen dringt davon allerdings wenig. Die öffentliche Meinung wird gerade auch bezüglich Gesundheitsrisiken infolge elektromagnetischer Felder (EMF) durch das von der Industrie geprägte Mantra „Nichtthermische Effekte sind nicht bewiesen“ beherrscht. Dennoch gibt es immer mehr Forscher, welche die in der Praxis evidenten gesundheitsschädlichen Auswirkungen etwa des Mobilfunks oder der Hochspannungsleitungen als Motiv für ihre Arbeit ernst nehmen. Manche von ihnen warnen öffentlich vor den Auswirkungen der EMF.

Die Interphone-Studie über Mobiltelefonnutzung und Hirntumor ist ein Kristallisationspunkt für diese Auseinandersetzungen innerhalb der Scientific Community. Die Publikation der Synthese aller Interphone-Einzelstudien ist seit 2006 überfällig, weil sich unter den beteiligten Forschern zwei Lager gegenüberstehen: Die einen fühlen sich verantwortlich, die Resultate zu publizieren, die andern wollen sie zurückhalten. Denn das Fazit ist ein erhöhtes Hirntumorrisiko bei mehr als 10-jähriger Nutzung des Mobiltelefons. Wegen mehrerer Mängel des Interphone-Protokolls, an dessen Vorgaben sich jedes Studiendesign halten musste, scheint zwar das Risiko nur leicht erhöht zu sein. Werden diese Mängel jedoch kompensiert, ist das Hirntumorrisiko für Langzeitnutzung deutlich bis massiv erhöht. Eine neuste Studie von Hardell/Carlberg, ausserhalb des Interphone-Programms mit verbessertem Studiendesign durchgeführt, ergibt denn auch ein 5.2-faches Hirntumorrisiko (Astrozytom) für über 10-jährige Mobiltelefonnutzung bei Erstnutzung im Alter von unter 20 Jahren (www.spandidos-publications.com/ijo/35/1)

Nachstehend soll der – sicher unvollständige – Versuch unternommen werden, wesentliche Ergebnisse der BioEM 2009 in Davos anhand des Berichtes von Lloyd Morgan zusammenzufassen und auf eine Charakterisierung der gesamten Forschungssituation auszuweiten:

Das Militär will hohe Grenzwerte für elektromagnetische Immissionen, da sonst der Einsatz mancher moderner Gefechtstechniken erschwert oder verunmöglicht würde. – Öffentlich erwähnt werden nur diejenigen Techniken sogenannt „nicht letaler“ elektromagnetischer Waffen, die mit hohen Strahlungsleistungen arbeiten. Die mit geringen Strahlungsintensitäten, aber mit speziellen Modulationen der Trägerfrequenzen arbeitenden Waffen bleiben öffentlich unerwähnt.

Von der Industrie und teilweise auch vom Staat finanzierte Forschung findet meist „keine Effekte“. Die vorliegend genannten Namen Auvinen, Chou, Finnie und Kavet stehen für zahllose weitere. Es lässt aufhorchen, dass solche Forscher in ihren Negativstudien andere Arbeiten mit positiven Forschungsergebnissen zuweilen gezielt in Zweifel ziehen und subtil diskreditieren, wie es hier z.B. Dr. Finnie tut. Und Joe Morrissey verteidigt das Industrie-Mantra, wonach es keine gesicherten nichtthermischen EMF-Effekte gebe, mit manipulativer Unverfrorenheit. – Es fällt auf, dass „Nulleffekt“-Studien über Jahre hinweg immer wieder mit denselben Forschernamen oder Forschungsinstituten verbunden sind.

Andere Forscher stehen unbeirrt zu ihren positiven Resultaten, zum Beispiel Leif Salford (Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke BHS) und Franz Adlkofer (gentoxische Effekte von Mobilfunkstrahlung). Es wundert nicht, dass die Industrie gerade gegen diese beiden Ergebnisse Sturm läuft. Ihre gezielte Diskreditierung der Forschung Adlkofers und Hugo Rüdigers mittels – nachweislich unhaltbaren – Fälschungsvorwürfen gegen Studien über die Gentoxizität von GSM- und UMTS-Strahlung zeigt, wovor sie am meisten Angst hat. Und diese Angst der Industrie ist umso grösser, als auf beiden Gebieten, BHS und Gentoxizität, neben den Mobiltelefonen nun auch die Basisstationen („Antennen“) ins Visier geraten. Die grösste Durchlässigkeit der BHS hat sich im Experiment nicht bei der höchsten Strahlung, sondern bei den relativ niedrigen Immissionen ergeben, welchen man als Passivtelefonierender (analog dem Passivraucher) und als Antennen-Anwohner ausgesetzt ist.

Mehrfach wurde von der Anwendung sehr schwacher elektromagnetischer Felder mit spezifischen, genau definierten Pulsfrequenzen und -mustern in der medizinischen Therapie berichtet. Dies ist ein schlagender Beweis für die Existenz nichtthermischer Effekte infolge pulsmodulierter Niedrigstrahlung weit unterhalb der staatlichen Grenzwerte. Doch was nützlich ist, kann in abgewandelter Form auch schaden. Mobilfunkstrahlung ist ebenfalls pulsmodulierte Niedrigstrahlung. Die Pulsfrequenz von WLAN-Routern im Standby liegt sogar im Bereich der Alpha-Gehirnwellenfrequenz von 8-12 Hertz. Breitbandsignale wie UMTS, DVB-T, WiMAX usw. haben eine sehr hohe Dynamik der extrem kurzen Einzelsignale. Die Erforschung der Gesundheitsrisiken muss sich nun endlich den Modulationen der Trägerfrequenzen zuwenden, wie es einerseits in der Erforschung der medizinisch-therapeutischen Anwendungen, andererseits leider auch in der – der Öffentlichkeit völlig entzogenen – Entwicklung von Waffen zur Bewusstseinskontrolle schon lange getan wird.

Die Sammlung der Zusammenfassungen aller an die BioEM 2009 eingereichten Studien ist unter bioem2009.org/abstract-collection-pdf zu finden.

 

Quelle: www.buergerwelle-schweiz.org, 12.07.09