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09.12.09
Alter: 90 Tage
Kirchturmskandal im Millstatt (Kärnten)

 

von Dr. Erwin Tripes

1) Der Bischof von Kärnten, Dr. Schwarz, lässt weiterhin zu, daß Mobilfunksender unter - derzeit mehr als vierzig - Kirchturmdächern versteckt werden.

Sein Mitarbeiter im Liegenschafts- u. Rechtsreferat will ihn aus der Schusslinie nehmen, indem er den Schwarzen Peter dem früheren Diözesanbischof Dr. Kapellari zuschiebt. Letzterer hätte vor vielen Jahren diese Vorgehensweise genehmigt.

So einfach geht´s nicht.

Gerade der Umweltbischof (sic) könnte, so wie seine Kollegen in Westösterreich (Vorarlberg, Tirol, Salzburg und nun auch Oberösterreich) schlichtweg derartige Anlagen auf Kirchengebäuden verbieten.

Er bräuchte sich nur an die von ihm selbst verfassten Predigten und Schriften halten.

2) Die Diözese behauptet ferner gemeinsam mit dem Pfarrer, daß es durch die Sendemasten im Kirchturm möglich sei, die auf die Lebewesen abgegebene Strahlung besser kontrollieren zu können.

Die Menschen, in der kath. Kirchensprache gerne als kleine Schafe (= Schäfchen) bezeichnet, sind aber nicht so schafsdumm, um nicht zu durchschauen, daß nicht die Kirche, sondern der jeweilige Mobilfunkbetreiber die Sendeleistung bestimmt.

3) Inzwischen hat sich auch herumgesprochen, daß die von der Mobilfunklobby immer wieder genannten gesetzlichen Grenzwerte in Österreich einerseits keine gesetzliche Verbindlichkeit haben und andererseits, wenn überhaupt, nur vor der Wärmebestrahlung des Mobilfunks aber keinesfalls vor dem Krebsrisiko ihrer athermischen Einwirkungen auf den Körper schützen.

Deshalb hat auch die Österr. Ärztekammer gegen derartige, viel zu hoch angesetzte Empfehlungen Widerspruch erhoben und viele Staaten haben um ein Vielfaches geringere Grenzwertempfehlungen für ihre Länder vorgesehen.

Wenn dann obendrein Messungen von nicht unabhängigen Experten vorgenommen werden, lautet deren Ergebnis: Keine Grenzwertüberschreitung, keine Gefahr.

Wenn jedoch unabhängige Experten messen, gibt es regelmäßig detaillierte Gesundheitsgefahrenhinweise, die jedoch von der Mobilfunklobby als unwissenschaftlich abgetan werden.

So einfach läuft das Mobilfunkgeschäft.

4) Warum wohl will der österr. Umweltbischof, obwohl schon längst über die Details über das Gesundheitsgefahrenpotential beim Mobilfunk informiert, nicht endlich jene ethischen Werte beim Geldverdienen anlegen, die er selbst schon jahrelang predigt?

s. etwa seinen Vortrag über ethisches Investment

www.kath-kirche-kaernten.at/upload/12061_bischof-schwarz_ethisches-investment.pdf .

Die Leser und die Schäfchen werden sich leicht ihre eigene Meinung darüber bilden, wie dies übrigens bereits rd. 100 Menschen in der betroffenen Pfarre in den letzten Tagen getan haben.

Es wäre schön, wenn die Diözese wie beim Klimaschutz weltweites „Sturmläuten“ gegen die Mobilfunkmasten ankündigen würde. Aber beim Klimaschutz kann man leichter Flagge zeigen, als wenn´s um die eigenen Einkünfte geht.

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

 

"Kärnten Heute" vom 8.Dezember 2009 mit Dr. Erwin Tripes