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04.04.10
Alter: 2 Jahre
Bei Tetrastrahlen und Gesundheit funkt es

 

Bericht aus Deutschland

Emotionale Infoveranstaltung zum Tetra-Digitalfunk in der Stadthalle

Schopfheim (hö)

Brechend voll war am Dienstagabend die Stadthalle bei der dreistündigen Infoveranstaltung der Stadt zum Thema Tetra-Behördenfunk. Im Podium saßen sowohl Vertreter von Polizei, Regierungspräsidium und Landratsamt, die für die aus ihrer Sicht unumgängliche Umstellung auf den Digitalfunk warben, als auch prominente Vertreter der Mobilfunkgegner-Szene. Und obwohl sich Moderator Christof Nitz alle Mühe gab, die Emotionen nicht allzu sehr hochkochen zu lassen, prallten die Standpunkte ziemlich unversöhnlich aufeinander.

Europaweit sei die Umstellung auf das digitale Tetra-System oder den vergleichbaren Digitalfunk Tetrapol bereits weit fortgeschritten. Deutschland hinke schon jetzt hinterher.

Dem Zwang zur Modernisierung werde sich auch das Wiesental nicht entziehen können, erklärte Polizeidirektor Gehri dem Publikum und schenkte reinen Wein ein: „Wir befinden uns nicht im Diskussionsprozess, die Entscheidungen sind längst gefallen.“ Mit Siegfried Zwerenz (Verein Bürgerwelle) und dem Münchner Arzt Dr. Hans-Christoph Scheiner hatte die Bürgerinitiative gegen Mobilfunk im Wiesental zwei redegewandte Promis der Mobilfunkgegnerszene aufgeboten. Scheiner wie auch Zwerenz warnen seit Jahren vor den aus ihrer Sicht wissenschaftlich nachgewiesenen, der Gesellschaft aber angeblich aus politischen Gründen vorenthaltenen Gesundheitsschäden durch hochfrequente Strahlung, wie sie von Mobilfunkmasten ausgesendet werden.

Es sei „seit vielen Jahren bekannt, dass gepulste Technik tief in körperliche Vorgänge eingreift“, so Siegfried Zwerenz. Das geplante Tetra-System sei besonders gefährlich, weil es rund um die Uhr Strahlung aussende. In England, wo Tetra seit Jahren eingeführt ist, kämen vermehrt Klagen von Polizeibeamten über Gesundheitsschäden. Wenn die Behörden nun versicherten, dass die Grenzwerte eingehalten würden, so trage dies nicht zur Beruhigung bei. „Die Grenzwerte werden eingehalten und trotzdem gibt es Probleme. Deshalb müssen wir die Grenzwerte hinterfragen.“

Hans Christoph Scheiner, Leiter eines Instituts für Holistische Medizin in München und Bundesvorsitzender der Splitterpartei „Aufbruch für Bürgerrechte, Freiheit und Gesundheit“ verwies auf verschiedene Studien, die die Auswirkungen von Mobilfunkstrahlen auf Körperzellen „weit unter den Grenzwerten“ nachgewiesen haben sollen.

Die Folgen der Exposition seien etwa vermehrte epileptische Anfälle, Allergien oder ein erhöhtes Krebsrisiko, so Scheiner. Keine einzige der von Scheiner präsentierten Studien habe einer wissenschaftlichen Überprüfung standhalten können, widersprach Professor Jiri Silny vom Forschungszentrum für Elektromagnetische Umweltverträglichkeit (femu) in Aachen. Sämtliche von den Mobilfunkgegnern ins Feld geführten Verbindungen zwischen Schädigungen der Gesundheit und Mobilfunkstrahlen hätten den Charakter des „Anekdotischen“ erklärte Silny. Eine Anmerkung die ihm laute Buhrufe im Saal einbrachte. Überhaupt beteiligte sich das Publikum rege und mit zahlreichen Beiträgen – sowohl pro wie auch contra Mobilfunk – an der Diskussion. Eine erstaunlich hohe Anzahl der Anwesenden gab sich auf Nachfrage als hoch sensibel für elektromagnetische Strahlung zu erkennen.

Schließlich, es war bereits weit nach 22 Uhr und Zeit, die Diskussion zu beenden, befand Moderator Nitz. Vor der Stadthalle gingen die Auseinandersetzungen um das Für und Wider des Mobilfunks aber doch noch recht lange weiter. Quelle: www.suedkurier.de/region/hochrhein/schopfheim/Bei-Tetrastrahlen-und-Gesundheit-funkt-es;art372617,4223780