17.04.10
Alter: 2 Jahre
Review: Oxidativer Stress durch Mobilfunkstrahlung
Alter: 2 Jahre
Auszug:
In dieser Übersichtsarbeit (Review) bearbeiteten die Autoren Veröffentlichungen, die sich mit den Wirkungsmechanismen von elektromagnetischen Feldern des Mobilfunkbereichs befasst haben. Sie beziehen sich besonders auf den Stoffwechsel der freien Radikale. Die Autoren schließen aus den Ergebnissen, dass vor allem bestimmte Strukturen und Enzyme in den Zellmembranen Angriffspunkte sind, wodurch der Stoffwechsel der Reaktiven Oxidativen Substanzen (ROS) verändert wird und dadurch viele Prozesse in der Zelle beeinflusst werden, z. B. Krebsentstehung und Apotose. Weiter werden epidemiologische Unterersuchungen zu Spermienqualität beurteilt.
…Die Zellmembran scheint der entscheidende Angriffspunkt für die hochfrequente elektromagnetischen Felder zu sein, das haben viele Experimente übereinstimmend ergeben…
…Mobilfunkstrahlung und oxidativer Stress:
Freie Radikale entstehen beim Stoffwechsel des Sauerstoffs in den Zellen. Diese werden als ROS bezeichnet. Die agressiven Stoffe werden ständig von Antioxidanzien im Gewebe neutralisiert (Radikalfänger). Wenn allerdings die Neutralisationskapazität überschritten wird, entsteht oxidativer Stress. Seit 1992 kennt man diese Wirkung von Hochfrequenz und hat sie in vielen nachfolgenden Experimenten bestätigt. Entweder erhöhen die Felder die Radikalbildung oder sie vermindern die antioxidative Enzymaktivität. Sicher ist, das Antioxidanzien wie Melantonin, die Vitamine C und E und andere Stoffe oxidativen Stress oder Apoptose verhindern können.
Chronische Einwirkung von Hochfrequenz vermindert die Aktivität verschiedener Enzyme (Katalyse, Superoxiddismutase, Glutathion-Peroxidase) und vermindert damit die antioxidative Kapazität. Mobilfunkstrahlung kann Veränderungen in intrazellulären Calcium-Konzentration und den Aktivitäten von PKC und ODC hervorrufen.
Experimente zu anderen Enzymen hatten widersprüchliche Ergebnisse; es gibt aber Experimente, die belegen, das ROS die Aktivitäten von ODC und PKC beeinflussen. So wird die durch die Strahlung hervorgerufene Zunahme der ROS-Konzentration die Zelldifferenzierung auslösen durch deren Einwirkung auf die Enzyme MAPK-Kinase, PKC und ODC sowie auf die Hitzeschockproteine. Auch Studien zur Spermienqualität deuten auf ROS-Produktion in den Spermazellen hin…
…DNA-Strang-Brüche und Apoptose:
Die Schädigung durch Hochfrequenzfelder wurde in den letzten 10 Jahren mehrfach belegt.
Experimente mit verschiedenen tierischen (Mäuse, Rattten) und menschlichen Zellkulturen bei verschiedenen Mobilfunkfrequenzen ergaben auch hier wieder die Bildung von freien Radikalen, die zu der DNA- Schädigung führen, wenn auch einige Experimente diese Wirkung nicht zeigten…
…Wirkung auf Spermien: Mehrere Studien stellten verminderte Spermienqualität (Beweglichkeit, Lebensfähigkeit) fest. Die Beeinträchtigung könne auf DNA-Schäden und oxidativen Stress zurückgehen. Damit im Zusammenhang steht die Wirkung auf die
Proteinkinase C und den Calzium-Haushalt:
PKC, ein Enzym, das eine Phosphatgruppe auf ein Protein überträgt. Es hat damit eine wichtige Regulationsfunktion, also das Aktivieren oder Abschalten von Enzymen.
Die PKC hat eine Schlüsselrolle in der Signaltransduktion.) Die PKC ist Calcium-abhängig und sie spielt eine wichtige Rolle bei der Beweglichkeit der Spermien. Auch eine Beeinträchtigung der Calcium-Ionenkanäle durch hochfrequente Strahlung wurde festgestellt, sodass die intrazelluläre Calcium-Konzentration nicht im Gleichgewicht ist.
Krebsentstehung (Karzinogenes):
Mobilfunkstrahlung kann die DNA-, RNA- Proteinsynthese- und Zellteilungsrate verändern.
Aber die epidemiologischen Studien sind nicht eindeutig. Dennoch kann ein möglicher Ablauf der Krebsentwicklung gezeichnet werden.
Zusammenfassend ist festzuhalten:
Die Zellmembran ist der primäre Angriffspunkt der Strahlung, dadurch entstehen ROS- Moleküle, die NADH-Oxidase-Aktivität in der Zellmembran steigt an. Dauereinwirkung von Mobilfunkstrahlung kann durch oxidativen Stress zu DNA-Schäden führen. Das führt zu vermehrten Zelltod von Spermienzellen und neurodegenerativen Prozessen im Gehirn sowie zur Beschleunigung des Krebszellenwachstums in beiden Organen. Die Beschleunigung des Krebswachstums entsteht durch die Einwirkung der Strahlung auf die Enzyme PKC, ODC und Stresskinase und auf die Calcium-Konzentration den Zellen. Oxidativer Stress und Veränderungen in der PKC-Aktivität könnten für die in vielen Studien beobachtete Unfruchtbarkeit verantwortlich sein. Deshalb sollten die SAR-Grenzwerte für Mobiltelefone herabgesetzt werden, empfehlen die Autoren.
Quelle:
Desai NR, Kesari KK, Agarwal A (2009):Pathophysiology of cell phone radiation:oxidative stress and carcinogenesis with focus on male reproductive system. Reproductive Biology and Endocrinology 7,114