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09.05.11
Alter: 1 Jahre
Tinnitus durchs Handy

 

Beunruhigende Erkenntnis: Forscher haben die Telefoniergewohnheiten von Tinnitus-Patienten mit denen von Testpersonen verglichen, die gesunde Ohren hatten. Die Handy-Nutzer litten zu 37 Prozent häufiger an einem Tinnitus.

Von Jörg Zittlau, 27.04.11, 15:30h, aktualisiert 27.04.11, 15:36h

Beunruhigende Erkenntnis: Forscher haben die Telefoniergewohnheiten von Tinnitus-Patienten mit denen von Testpersonen verglichen, die gesunde Ohren hatten. Die Handy-Nutzer litten zu 37 Prozent häufiger an einem Tinnitus.

 

Tinnitus ist keine Krankheit, sondern ein Symtom, vergleichbar mit Schmerz.

 Das mobile Telefonieren boomt: Im Jahre 2007 überschritt der weltweite Handy-Verkauf erstmals die Grenze von einer Milliarde, und der Trend zeigt weiter nach oben. Interessanterweise entwickelt sich der Tinnitus in eine ähnliche Richtung, derzeit leiden 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung am chronischen Ohrensausen. Und das ist keine zufällige Parallele.

 Ein Forscherteam unter Leitung von Michael Kundi der Universität Wien verglich die mobiltelefonischen Gewohnheiten von hundert Tinnitus-Patienten mit denen von hundert ohrgesunden Testpersonen. Es zeigte sich, dass die Handy-Nutzer zu 37 Prozent häufiger an Tinnitus litten. Wer länger als zehn Minuten täglich das Handy am Ohr hatte, kam auf eine Risikoerhöhung von 71 Prozent. Und auch die Dauer der Mobiltelefonierer-Karriere hat offenbar Einfluss auf die Ohrgesundheit: Ab vier Jahren intensivem Handy-Gebrauch verdoppelt sich das Tinnitus-Risiko. Die österreichische Studie liefert einen statistischen Beleg für den Zusammenhang von Tinnitus und häufigem Handy-Gebrauch.

 Bleibt die Frage, wie er medizinisch konkret erklärt werden könnte. Eine Möglichkeit: Mobiltelefonierer wollen ständig erreichbar sein und stehen dadurch stark unter Stress, und der sorgt bekanntermaßen für eine nervliche Anspannung, die anfällig macht für das Wahrnehmen von Innenohrgeräuschen. Es wäre dann also weniger das Handy selbst, als vielmehr das Verhalten und die damit einhergehende Übersensibilität seines Nutzers, die sein Ohr zum Sausen bringen.

 

Andere Theorie

 Psychologe und Umweltmediziner Kundi bevorzugt jedoch eine andere Theorie. Demnach wird Tinnitus durch "ein Ungleichgewicht zwischen erregenden und hemmenden neuronalen Verbindungen" verursacht, und die Mikrowellen des Handys werden wiederum in großem Maße vom Innenohr und den Hörbahnen absorbiert, so dass sie durchaus zu dieser Dysbalance beitragen könnten. Hierfür sprechen Laborstudien, in denen Neuronen durch elektromagnetische Strahlen von 900 MHz, wie sie beim Handy üblich sind, zum "Feuern", also zu einer starken Aktivität angeregt wurden.

 Nichtsdestoweniger will Kundi auch aktuelle Trends beim Mobiltelefonieren nicht als Tinnitus-Risiko ausschließen. So wird immer häufiger im Freien telefoniert. Die Folge: Der Handy-Nutzer drückt zwecks besseren Hörens das Gerät fest ans Ohr und schränkt so die Durchblutung ein. Und auch die Lärmbelastung, klassischer Auslöser von Innenohrschäden, spielt wohl eine Rolle: Mitarbeiter von Call-Centern, wo der Lautstärkepegel der Head-Phones bis zum Anschlag aufgedreht wird, leiden besonders oft unter Ohrensausen. Ganz zu schweigen davon, dass Handys immer öfter als MP3-Player benutzt werden und im Kopfhörer einen Lärm von mehr 100 Dezibel produzieren können - das entspricht der Lautstärke eines vorbeifahrenden LKWs.

 

Quelle: http://www.ksta.de/html/artikel/1303897232983.shtml