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11.07.11
Alter: 312 Tage
Wie Forschung, Wirtschaft, Politik die Gesundheitsgefahr des Mobilfunks herunterspielen

 

Kommentar von Isabel Wilke

Wie Forschung, Wirtschaft, Politik die Gesundheitsgefahr des Mobilfunks herunterspielen

Die IARC (International Agency for Research on Cancer, eine Institution der Weltgesundheitsorganisation WHO) machte in der letzten Zeit in bemerkenswerter Weise von sich reden.

Zum einen hat sie bei der Bildung der internationalen Arbeitsgruppe zur Einschätzung von elektromagnetischen Feldern und Krebs bewiesen, dass sie die Akteure in diesem Bereich weltweit im Blick hat, und dass sie sich nicht durch Lobbyisten daran hindern lässt, die Einstufung der elektromagnetischen Felder als möglicherweise für den Menschen Krebs erregend

(s. S. 4) vorzunehmen.

Im Vorfeld, bei der Suche nach geeigneten Teilnehmern an der Arbeitsgruppe, wurde der deutsche Bewerber Prof. Dr. A. Lerchl (trotz seines Protestes, s. Elektrosmog Report 4/20 I I) als befangen und nicht qualifiziert abgelehnt. Im weiteren Verlauf musste der schwedische Vorsitzende dieser Arbeitsgruppe, Prof. Anders Ahlbom, von seinem Posten zurücktreten (www.microwavenews.com.22.Mai 20 11).

Beide hatten verschwiegen, dass sie für die Industrie tätig sind. Lerchl ist das Aushängeschild der Deutschen Mobilfunkwirtschaft, Ahlbom arbeitet in der Firma seines Bruders, die in Brüssel ansässig ist und Telekomlnunikationsunternehmen berät. Magda Havas aus Kanada klärt auf ihrer Homepage über die Verbindungen weitere Mitglieder der Arbeitsgruppe zur Industrie auf (www.magdahavas.comJ2011/06/05/may2011-a-month-in-review/ ). Am 3. Juni 2011 sagt Prof. Adlkofer in einem Interview (www.diagnose-funk.org, 22. Juni 2011), dass trotzdem von der Politik nichts zu erwarten ist, man stattdessen auf die Vernunft der Bürger setzen muss, die einen echten Strahlenschutz erzwingen müssen. Der Präsidenten der Wiener Ärztekammer, Dr. Walter Dorner, sagte am 9. Juni 2011 in einer Pressemitteilung, man müsse "weiterhin auf das Vorsorgeprinzip setzen, denn Vorsorge darf nicht wirtschaftlichen Interessen geopfert werden!" Prof. Kundi von der Medizinischen Universität Wien erklärt: "Jetzt, nach dem ersten internationalen Votum, das ein mögliches Krebsrisiko konstatiert, sollten jedenfalls alle Bemühungen zur Umsetzung des Vorsorgegedankens intensiv verstärkt werden". Prof. Mosgöller vom Institut für Krebsforschung der Medizinischen Universität Wien ergänzt, es sei nun der Auftrag der Politik, nach jahrelangem Herunterspielen und andauernder Verharmlosung durch die Industrie, die Forschung "ohne Zutun der Mobilfunkindustrie voranzutreiben" (www.aerzte-undmobilfunk.netlinformationen/erkenntnisse-undstudienJmoegliche-krebsgefahr-durch-who-bestaetigt.html ). Zuletzt sei erwähnt, dass sich Jörg Blech am 6. Juni 2011 mit einem Kommentar unter dem Titel "Die Angstmacher" in der Online-Ausgabe von ,.Der Spiegel" recht unqualifiziert zum Thetha zu Wort meldete (http://www.spiegcl.de/spiegel/printld-78832422.httnl) .

Isabel Wilke

Quelle: Elektrosmogreport Nr. 76