07.01.12
Alter: 132 Tage
Kritiker fürchten «Strahlendusche»
Alter: 132 Tage
Swisscom: Mini-Antennen gegen Handy-Löcher
Dem Handy-Netz steht der nächste Tempo-Schub bevor. Allein Swisscom will über die nächsten fünf Jahre «mehrere Hundert Millionen Franken» in den Ausbau des Netzes buttern.
Von Matthias Pfander | Aktualisiert um 14:29 | 22.12.2011
Der Grund: Neue Geräte wie das iPhone und andere Smartphones oder all die iPads saugen viel mehr Daten aus der Luft als die alten Handys. Deshalb droht der Datenstau, es herrscht akute Verstopfungsgefahr.
Deshalb soll das Netz jetzt vor allem in Städten viel engmaschiger werden. Durch neue, winzige Antennen. Sie können praktisch überall montiert werden: An Häuserfassaden, Telefonkabinen, Busstationen. Man spricht von Mikrozellen.
Statt auf eine grosse Antenne wird die Kapazität auf viele kleine verteilt. Von Auge würde man die kleinen Kästchen niemals als Mobilfunk-Antennen erkennen.
Der Vorteil für Netzbetreiber wie Swisscom: Um die kleinen Kästchen zu montieren kommen sie in der Regel um das Bewilligungsprozedere herum. «Bei den Mikrozellenantennen braucht es keine detaillierte Dokumentation der ausgesandten Strahlung», bestätigt Jürg Baumann, der Zuständige beim Bundesamt für Umwelt.
Die Kleinstantennen strahlen rund 160-mal weniger als eine ausgewachsene Anlage. Damit fallen sie unter den Grenzwert, wie er in der «Verordnung zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung» (NISV) festgelegt ist.
Die Mini-Antennen strahlen zwar viel weniger, als Passant kommt man ihnen aber viel näher. Mit ein Grund, weshalb die Ausbaupläne die Strahlenkritiker auf die Palme treiben: «Es ist mehrfach bewiesen, dass solche Strahlenduschen Krebs auslösen können», sagt Hansueli Stettler, Sprecher vom Dachverband Elektrosmog.
Wo und in welcher Zahl die Mini-Antennen montiert werden, sagt Swisscom noch nicht. «Wir werden 2012 mit einem Test starten», heisst es. Je nach Ergebnis wird der weitere Ausbau vorangetrieben. Der Elektrosmog-Verband fordert hingegen eine Denkpause und ein Moratorium, «bevor nicht belegt sei, dass keine Schäden auftreten».
Dass es für die Mini-Antennen keine spezielle Strahlenbewilligung braucht, empört die Strahlen-Gegner erst recht: «Das ist makaber und beweist, dass die Verordnung völlig am Schutzgedanken vorbeizielt», so Stettler.
Beim Bundesamt für Umwelt ist man da anderer Meinung: «Aus heutiger Sicht gibt es keinen Grund, die Verordnung anzupassen.» Die Richtwerte seien so festgelegt worden, dass sie für die weitere Entwicklung taugen.
Dass die Wirkung der Strahlung weiter untersucht werden sollte, empfiehlt aber auch Fachmann Baumann vom Bundesamt für Umwelt, räumt aber ein: «Die Technologie entwickelt sich so rasend schnell, dass die Forschung zu möglichen Folgen kaum nachkommt.»