| Rainer Frentzel-Beyme, Umweltmediziner
an der Universität Bremen, beklagt eine enge Verbindung
zwischen Mobilfunkkonzernen und dem Staat. Eine unabhängige
Erforschung der Wirkung von Funkstrahlung sei daher
nur schwer möglich und würde seit über
zehn Jahren verzögert. "Die staatlichen Stellen
sind derartig mit den Betreibern verbunden, dass ich
da nicht genau trennen kann", sagte Frentzel-Beyme
im Interview mit de.internet.com. So sei der Experte
zwar zu verschiedenen Anhörungen bei Landtagen
und auch im Bundestag eingeladen worden, diese hätten
aber eher eine Ventilfunktion erfüllt. Konsequenzen
wie die Einrichtung eines Moratoriums für die Aufstellung
neuer Antennen wie es in der Schweiz, Frankreich und
Spanien der Fall war, oder eine ernsthafte Förderung
der Forschung habe es in Deutschland nicht gegeben,
so der Professor.
Derzeit arbeitet der Wissenschaftler an einer Studie
zur Wirkung der elektromagnetischen Strahlung auf
Kinder. Die Durchführung eines solchen Projektes
sei zuvor verzögert worden. "Nachdem einschlägige
Anträge vorlagen, wurde zunächst behauptet,
das Thema hätte aufgrund einer Umfrage bei Wissenschaftlern
keine Priorität", sagte Frentzel-Beyme.
Dann sei eine Studie an Autoren vergeben worden, die
bereits Publikationen zugunsten der Mobilfunkbetreiber
verfasst hatten. "Das lässt Fragen offen,
wie unabhängig die Forschung sein kann, wenn
sich eine eindeutige Selektion lässt", sagte
er weiter.
"Echte Unabhängigkeit erfordert ohnehin,
dass staatliche Forschungsförderung völlig
unabhängig von Mitteln aus der Industrie erfolgt.
Da das Mobilfunkforschungsprogramm zur Hälfte
durch die Betreiber der Technik finanziert wird und
diese nachweislich bei der Vergabe von Studienförderung
Einspruch erheben können, sind die Weichen schon
vor ernsthaften objektiven Ansätzen gestellt",
sagte Frentzel-Beyme.
Das zeigt sich bereits seit Anfang der 90er Jahre.
"Mein erster Antrag an die Betreiber, im Deutschen
Krebsforschungszentrum eine 10-prozentige Stichprobe
der 800.000 C-Netzbenutzer mit D-Netzbenutzern mittels
einer epidemiologischen Studie vergleichend zu untersuchen,
wurde durch die Firma Mannesmann und später auch
durch die Forschungsgemeinschaft Funk abgelehnt",
sagte er. Auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft
(DFG) habe sich nicht in der Lage gesehen, die 1993
konzipierte Studie zu fördern. "Damit wurden
Erkenntnisse zu Langzeiteffekten über zehn Jahre
verzögert", beklagte der Wissenschaftler.
Als 2002 ein Mobilfunkmast im Ortskern von Flachsmeer
(Friesland) aufgestellt wurde, erhoffte sich der Umweltmediziner
Erkenntnisse über Schlafstörungen bei der
dort ansässigen Bevölkerung. Mannesmann
(heute Vodafone) habe sich aber geweigert, die Anlage
gemäß einer Versuchsplanung abzuschalten,
erklärt der Experte. Trotz anfänglicher
Zusage war demnach auch die Deutsche Telekom später
nicht mehr bereit, die Studie zu unterstützen.
"Die Telekom zeigte sich erst an der methodisch
einwandfrei geplanten Untersuchung interessiert, musste
dann aber wohl auch zurückstecken und zog die
auf einer Bürgerversammlung gegebenen Förderungsangebote
wieder zurück", so der Experte. (ck/as)
Quelle: de.internet.com
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