Der auf dem Fußballplatz am Schäferdresch geplante Mobilfunkmast
(wir
berichteten) wird doch nicht gebaut. Die Deutsche
Funkturm, eine
hundertprozentige Tochter der Deutschen Telekom, hat
die Verhandlungen mit
dem Ammersbeker Bürgermeister Axel Bärendorf
(47) über den Standort auf
gemeindeeigenem Grund und Boden für gescheitert
erklärt. Offenbar rückt das
Unternehmen nun sogar ganz von seinem ursprünglichen
Plan ab, im Bereich
Schäferdresch/Rehagen einen Antennenträger
für Mobilfunksender zu bauen.
Die Anwohner in dem Ammersbeker Ortsteil können
also aufatmen. Aus Angst vor
ihrer Ansicht nach gesundheitsschädlichen Strahlen
hatten sie gegen den
Turmbau protestiert, seit das Thema im Spätsommer
vergangenen Jahres
spruchreif geworden war.
Doch wie ist in Ammersbek gelungen, was sich die
Menschen auch in anderen
Kommunen wünschen - oft vergebens? Offenbar
hat die Taktik des
Bürgermeisters mehr Früchte getragen als
er sich jemals selbst erhofft
hätte. Die Taktik nämlich, sich auf einen
konstruktiven Dialog mit den
Turmbauern einzulassen und dabei hartnäckig
darauf bedacht zu sein,
jeglichen Schaden und jegliches Risiko von der Gemeinde
fernzuhalten.
Als Akquisiteure der Hamburger Firma Vivento Technicals
GmbH im Auftrag der
Deutschen Funkturm am 18. August vergangenen Jahres
erstmals in Ammersbek
vorstellig werden, ist Bärendorf nicht begeistert,
bietet aber seine Hilfe
bei der Suche eines Standortes an. Seine damalige
Devise: Verhindern kann
die Gemeinde einen Funkmast nicht. Also gestaltet
sie mit. Denn
Antennenträger gelten als privilegierte Bauvorhaben.
Das heißt: Liegt eine
Standortbescheinigung vor, ein Attest gewissermaßen,
daß die Richtwerte der
Bundesimmissionsschutzverordnung eingehalten werden,
muß einem Bauantrag
ohne Rücksicht auf die Befindlichkeiten in
der betroffenen Gemeinde
zugestimmt werden.
Mit knapper Mehrheit billigt die Gemeindevertretung
Bärendorfs Vorschlag,
den Fußballplatz als Standort anzubieten.
Bei der Ausgestaltung eines
Vertrags kann Ammersbek als Partner mitwirken. Dem
Bürgermeister ist
wichtig, daß die Gemeinde von niemandem haftbar
gemacht werden kann. Deshalb
fügt er in den Vertragsentwurf Paragraph 7a
ein, der da lautet: "Der Pächter
stellt den Verpächter von allen Ansprüchen
Dritter, die sich aus dem Bau,
dem Betrieb oder dem Rückbau sowie sonst aus
der Nutzung der Pachtsache
ergeben, frei."
Für die Deutsche Funkturm ist das zuviel.
Sie streicht den generellen
Haftungsausschluß. In den verklausulierten
Vertragstext, der der
Ahrensburger Zeitung auszugsweise vorliegt, läßt
sie einfügen, daß die
Deutsche Funkturm "lediglich im Rahmen und
im Umfang ihres
Versicherungsschutzes" hafte. Wie hoch der
ist, will die Deutsche Funkturm
auf Anfrage nicht beantworten. "Vertragsinhalte
kommunizieren wir nicht
öffentlich", sagt Sprecherin Corinna Kielwein
(29).
Außerdem sieht die von der Deutschen Funkturm
vorgeschlagene Haftungsklausel
vor, daß Ammersbek im Falle eines Schadens
vor Gericht ziehen müßte, um
Ansprüche gegen den Turmbetreiber geltend zu
machen. Nach Auskunft der
Deutschen Funkturm sind das standardisierte Vertragsklauseln,
auf die sich
alle Vertragspartner einließen. Nicht so der
Ammersbeker Bürgermeister.
Bärendorf: "Ich will in kein Gerichtsverfahren
hineingezogen werden, und ich
will mich nicht mit Versicherungen herumschlagen
müssen. So einfach ist
das."
Theoretisch könnte die Deutsche Funkturm nun
versuchen, für irgendein
Privatgrundstück in der Nähe ihre Vertragsbedingungen
durchzusetzen. Doch
das Interesse scheint verflogen. Sprecherin Corinna
Kielwein: "So, wie es
aussieht, wird es keinen Funkturm geben."
Quelle: http://www.abendblatt.de/daten/2005/06/29/453164.html