*Die
Praxiserfahrung widerspricht
dem Schweizer Studienergebnis*
Die positiven Resultate
der holländischen TNO-Studie
wurden in
Zürich nicht bestätigt.
Doch die holländische
Studie liegt
wahrscheinlich näher
bei der Realität. Dies
wird nachfolgend
begründet. - Die
vorliegende Stellungnahme
zu der am 6. Juni
2006 den Medien vorgestellten
Schweizer UMTS-Studie
basiert auf
der Tatsache, dass durch
die Arbeit von Umweltärzten,
baubiolo
gisch geschulten Messfachleuten
und Betroffenenorganisationen
ganz Mitteleuropas seit
Jahren ein umfangreiches,
sich laufend
erweiterndes Erfahrungswissen
vorhanden ist. Der Zusammenhang
zwischen elektromagnetischer
Hochfrequenzstrahlung und
Beschwerden oder Krankheiten
ist in der Praxis längst
nachgewiesen. Es gibt verlässliche,
international übernommene
baubiologische Richtwerte
für Strahlungsimmissionen1,
erarbeitet
anhand Tausender von Praxisfällen.
Diese Richtwerte liegen
um
Grössenordnungen tiefer
als der Schweizer Vorsorgewert
(Anlagegrenzwert), welcher
die Bevölkerung
offensichtlich nicht
zu schützen vermag.
Die Richtwerte gelten bisher
für GSM-Strah
lung. Aber gemäss Berichten
Betroffener ist UMTS-Strahlung
mindestens so aggressiv.
*Ist die Schweizer
UMTS-Studie wirklich "wissenschaftlich"?*
Das hohe Gesundheitsrisiko
der Hochfrequenzstrahlung
ist also
evident. Doch diese Evidenz
wird vom universitären
Wissenschaftsbetrieb ignoriert.
Einzelne Wissenschafter
sprechen
zwar seit Jahren deutliche
Warnungen aus. Aber sie
dringen nicht
durch. Denn der universitäre
Wissenschaftsbetrieb als
Ganzes,
der die öffentliche
Meinung beherrscht, sieht
sich selbst als
die allein massgebende Instanz
für ein gültiges
Urteil über die
Strahlungswirkungen. Diesen
Anspruch konnte er in den
Augen von
Politik, Recht und Öffentlichkeit
bisher aufrechterhalten,
aber
zu Unrecht. Denn ob Mobilfunkstrahlung
schädlich sei oder
nicht, wird in vielen Studien
oder in deren Interpretation
leider nicht von unvoreingenommenem
Forschergeist, sondern von
der Mobilfunkbranche im
Bunde mit den immer wirtschaftslastiger
werdenden Hochschulen bestimmt.
Auch bei der Schweizer
UMTS-Studie bestand wahrscheinlich
ein solcher Einfluss (direkt
oder indirekt) auf das Design,
ganz offensichtlich aber
auf die
Medienpräsentation
der Studie vom 6.6.06. Das
ist mit
Wissenschaftlichkeit nicht
vereinbar. (Die TNO-Studie
war
wirtschaftsunabhängig
finanziert.)
*Kurzzeit-Provokationsstudien
für Antennen ungeeignet*
Dazu kommt, dass Studien,
in denen Beschwerden mit
kurzzeitiger
(hier 45-minütiger)
Bestrahlung provoziert werden,
für die
Beurteilungen des Antennen-Gesundheitsrisikos
grundsätzlich
ungeeignet sind. Antennen
sind Dauerstrahler. Sogar
die Autoren
selbst geben zu, dass ihre
Studie über das langfristige
Risiko
keine Aussage erlaube. Im
eklatanten Widerspruch zu
diesem
Eingeständnis wurde
jedoch den Medien an
der Präsentation der
Studie vom 6.6.06 ein Freipass
für den schrankenlosen
Weiterausbau der UMTS-Netze
suggeriert. Die Schlagzeilen
der
Tagespresse vermittelten
der Bevölkerung
denn auch fast
durchwegs den Eindruck einer
gänzlichen Entwarnung.
*Elektrosensibilität
existiert sehr wohl *
Die Schweizer UMTS-Studie
ist eigentlich nichts anderes
als eine
(misslungene) Abklärung,
ob es spontan auf UMTS-Strahlung
reagierende Elektrosensible
gibt. In Zürich war
die Zahl der
Sensiblen 2,5-mal kleiner
als diejenige der Nichtsensiblen,
und
die Sensiblen waren im Durchschnitt
20 Jahre jünger als
bei der
TNO-Studie. Die Sensibilität
nimmt jedoch mit dem Alter
stark
zu. Überdies waren
z.B. starke Schlafstörungen
von Kandidaten
ein Grund, diese als Probanden
zurückzuweisen. Aber
die meisten
Sensiblen leiden bei Mobilfunkstrahlung
unter Schlafstörungen!
-
Es muss also angenommen
werden, dass der (stetig
wachsende)
empfindlichere Teil der
Bevölkerung in dieser
Studie nicht
repräsentativ vertreten
war. Dieser Bevölkerungsteil
ist
derjenige, der gemäss
Umweltschutzgesetz
Art.13 besonders
geschützt werden müsste.
Es sind diejenigen Menschen,
für deren
Wohlergehen und Rechte wir
uns bevorzugt einsetzen.
Sie sind das
Frühwarnsystem der
Gesellschaft.
*Verflechtung zwischen
Wirtschaft, universitärem
Wissenschaftsbetrieb und
WHO*
Die Bevölkerung wird
über die wahren Risiken
der
elektromagnetischen Strahlung
systematisch getäuscht.
Die
Einflussnahme der Wirtschaft
auf die Entscheidungsträger
zeigt
es. - Ein Beispiel: Die
NIRMED2, ein Zusammenschluss
von im
universitären Wissenschaftsbetrieb
integrierten Ärzten,
kriti
sierte gezielt die TNO-Studie
(Beschwerden wegen UMTS-Strahlung)
und die REFLEX-Studie (Schädigung
der Erbsubstanz durch
Hochfrequenzstrahlung).
Es war nicht eine kollegiale,
fruchtbringende Wissenschaftskritik,
sondern ein schlecht
verhüllter Versuch
einer Abqualifizierung.
Eine weitere
diskreditierende Kritik
der TNO-Studie stammt von
Gregor
Dürrenberger von der
"Forschungsstiftung
Mobilkommunikation"
an
der ETH, die von den Betreibern
finanziert ist. Generalsekretär
der NIRMED ist Reinhold
Berz, der als Berater der
Swisscom
fungiert und ein an die
Ärzte gerichtetes,
die
Mobilfunkstrahlung verharmlosendes
Buch3 geschrieben hat, das
eine Mischung korrekter
Informationen, gezielter
Weglassungen
und nachweislicher Fehler
ist. Genau dieselben fachlichen
Fehler
finden sich in einer Publikation
auf der Website der NIRMED.
Die
NIRMED war es auch, die
für eine TNO-Nachfolgestudie
einen
zusätzlichen Bestrahlungswert
von 10 V/m (und die Anfertigung
eines "Psychoprofils"
für jeden Probanden!)
vorschlug. Diese
NIRMED hat sich der WHO
(Welt-Gesundheits-Organisation)
angedient. Die WHO versucht
in einem Fact Sheet4 die
elektrosensiblen Menschen
in die Psychiatrie abzudrängen.
Dasselbe tat auch ein Artikel
in der vom Forum Mobil für
die
Schweizer Ärzte herausgegebenen
Zeitschrift "Frequentia"5,
und
gleiches wurde an der Medienkonferenz
vom 6.6.06 versucht. - Der
Schlusssatz der NIRMED-Stellungnahme
zur Schweizer UMTS-Studie
lautet: "Diese Studienergebnisse
sollten vor allem dazu
beitragen, die Befürchtungen
und Vorbehalte in der Bevölkerung
gegenüber der UMTS-Technologie
zu vermindern."
- Deutlicher
könnte wohl der Einfluss
der Mobilfunkbetreiber,
die 40% der
Studie bezahlt haben, nicht
illustriert werden. Ein
solcher
Einfluss seitens der Industrie
wird bestätigt durch
eine
Untersuchung von H.C.Lai
(2006) an 308 Studien über
elektromagnetische Auswirkungen,
publiziert seit 1994: Effekte
auf den Organismus fanden
gut zwei Drittel (68%) der
unabhängig
finanzierten Studien, aber
nur 29% der von der Industrie
geförderten Studien.
*Schweizer UMTS-Studie
"besser" als TNO-Studie?*
Das Schweizer UMTS-Signal
war gemäss der englischen
Originalpublikation
dasselbe Signal, wie es
die holländische
TNO-Studie verwendete, nämlich
die Gesamtheit der 4 Pilotkanäle
("Standby", massgebend
bei Schwachlastbetrieb).
Ob aber die
Mischung der Pilotkanäle
und damit auch die Pulsung
wirklich
dieselbe war, ist aufgrund
fehlender Angaben in der
Schweizer
Studie nicht nachprüfbar.
- Das als Variante zusätzlich
ausgestrahlte GSM-Signal
der TNO-Studie wurde in
der Schweiz
weggelassen. Warum? Befürchtete
man positive Studienergebnisse,
wodurch die in der Praxis
offensichtliche Schädlichkeit
der
bisherigen GSM-Strahlung
wissenschaftlich bestätigt
worden wäre?
- Unterschiede bestanden
ferner, wie schon erwähnt,
bei den
Probanden, vor allem in
Bezug auf das 20 Jahre jüngere
Durchschnittsalter der Schweizer
Probanden. - Ausserdem mussten
die Probanden nicht
nur eine praxisnahe Strahlung
von 1 V/m wie
bei der TNO-Studie, sondern
zusätzlich (wie
von der NIRMED
vorgeschlagen) die extrem
hohe Strahlung von 10 V/m
aushalten,
was fast dem doppelten (!)
Schweizer Anlagegrenzwert
entspricht. Aufgrund der
Erfahrungen Sensibler mit
Strahlung in
Grenzwertnähe müssen
Probanden darauf reagiert
haben. Wie
nachträglich von Probanden
zu erfahren war, gab es
tatsächlich
solche Beschwerden teils
massiver Art. Aus der Studie
erfuhr man
davon jedoch nichts. Da
wurde nur die statistisch
herausgefilterte Aussage
publiziert, dass keine Veränderung
des
Wohlbefindens feststellbar
gewesen sei. - Die Praxiserfahrung
ist bestätigt worden,
dass eine Anzahl Einzelfälle,
die unter
realen Alltagsbedingungen
sorgfältig abgeklärt
werden,
insgesamt viel aussagekräftiger
sind als statistische
Auswertungen von Labor-Experimenten,
deren Resultate überdies
je
nach den gewählten
Randbedingungen verfälscht
herauskommen oder
sogar bewusst manipuliert
werden können. Aber
der
Wissenschaftsbetrieb will
Statistiken haben. - Ein
"Zufall" soll
sein, dass die TNO-Resultate
positiv ausgefallen waren
(NZZ,
7.6.06)? Zutreffender ist
die Aussage: Bei der
holländischen
TNO-Studie war es ein Glücksfall,
dass sich die komplexe
Realität im vereinfachenden
Laborexperiment dennoch
abbildete.
14. Juni 2006