Übersetzung
:
AFP Wirtschaft - FRANKREICH
Freitag, den 15. September 2006
– 09:30
(Der Beitrag wurde komprimiert).
Mobilfunk und Gesundheit
Nachhaltige Forderung über
endlich wirklich unabhängige
Gutachten (WEEKENDER)
von Annie HAUTEFEUILLE
Wieder mal stellt sich die
Frage der finanziellen Unabhängigkeit
der mit der Untersuchung eventueller
Gesundheitsrisiken betrauten
Sachverständigen. Dies
erfolgte im Anschluss an einen
in dieser Woche publizierten
Bericht, der ein französisches
Gutachten im Bereich Mobilfunk
sehr in Frage stellt.
Die Allgemeine Inspektion für
Sozialangelegenheiten (IGAS)
und die Allgemeine Inspektion
für Umwelt (IGE) kreiden
in einem am Dienstag veröffentlichten
Bericht die Interessenverbindungen
mehrerer Mitglieder einer Arbeitsgruppe
der frz. Agentur für Gesundheits-,
Umwelt- und Arbeitssicherheit
(AFSSET), mit den Mobilfunkbetreibern
an.
Bei zehn Experten, die an der
Aufstellung des im Juni 2005
veröffentlichten Berichts
über "Mobilfunk und
Gesundheit" beitrugen,
habe ein Experte ein
"direktes Verhältnis
mit Bouyges Telecom" und
drei andere eine "indirekte
Beziehung mit France Telecom".
Was die Gutachter des vorangegangenen
Berichts betrifft, der von der
AFSSE (ursprünglicher Name
AFSSET) im Jahre 2003 veröffentlicht
wurde, bemängeln die Inspektoren
der IGAS und der IGE, dass selbige
Gutachter gleichzeitig, also
" während der Bearbeitung
dieses Berichts" , Artikel
für eine Sonderausgabe
des Ärztemagazins Impact
Médecine, "die von
einem Mobilfunkbetreiber gesponsert
worden war", verfasst haben.
IGAS und IGE unterstreichen,
dass "dies zweifelsohne
schwere Schatten über die
Unparteilichkeit der damalig
laufenden Arbeit warf ".
Guy Paillotin, der Leiter des
Verwaltungsrats der AFSSE, hat
selbst im Jahr 2005 seine "Desillusion"
über das im Jahr 2003 aufgestellte
Gutachten, das auch von mehreren
ökologischen Organisationen
kritisiert worden war, zum Ausdruck
gebracht.
2005, wie auch im Jahr 2003,
hat die AFSSE keine erwiesene
Auswirkung der Mobilfunkantennen
und der Handies auf die Gesundheit
festgestellt. Doch im Zweifelsfall
einer eventuellen Auswirkung
auf jugendliche Gehirne empfahl
sie, die Verwendung von Handies
bei Kindern möglichst zu
vermeiden.
Nach der verspäteten Veröffentlichung
des auf Januar datierten Berichts
von IGAS / IGE , hat die AFSSET
am Mittwoch einen Aufruf für
Kandidaturen zur Erneuerung
der Mitglieder ihrer spezialisierten
Gutachter-Komitees bekanntgegeben.
Ein kürzlicher Bericht
des Senats über die "Umstände,
unter denen Medikamente auf
den Markt kommen und überwacht
werden" warf gleichfalls
die Frage über die Unabhängigkeit
der Experten gegenüber
der Industrie (in diesem Fall
der Pharmazie) auf, wie auch
über die Finanzierung der
Gesundheitsagenturen.
Anlässlich der
Internationalen Konferenz über
Gesundheit und Umwelt, Anfang
September, in Paris, zeigten
Schweizer Forscher, dass die
von der Mobilfunkindustrie exklusiv
finanzierten Untersuchungen
über den Mobilfunk weniger
oft statistisch relevante biologische
Wirkungen feststellen, als Untersuchungen,
deren Finanzierung aus anderen
Quellen stammt.
Es kann sich um eine Veränderung
des Elektroenzephalogramms,
der hormonelen Sekretionen,
der Herzgefässfunktionen
handeln, ohne dass dies unbedingt
heissen soll, dass eine Gefährdung
der Gesundheit vorliegt, meint
Herr Martin Röösli
(Universität Bern), Mitverfasser
dieser Zuverlässigkeitsanalyse.
Nur ein Drittel (4 auf 12) der
von der Industrie finanzierten
Untersuchungen fanden mindestens
eine nennenswerte physiologische
Wirkung, gegen 9 auf 11 Gutachten,
die von öffentlichen oder
karitativen Organisationen gefördert
wurden ; 10 auf 14 bei gemischten
Finanzierungen und 17 auf 22
für Studien mit nicht bekannter
Finanzierung.
Der Kopf erhält bei 4
Sekunden Handy am Ohr genauso
viel Strahlungen, wie ein 24-stündiges
Verweilen in der Nähe einer
Mobilfunkantenne, bei einem
elektrischen Feld von 1 Volt/Meter
(V/m), heisst es auch, wodurch
die Gefahr durch die Mobilfunkantennen
relativisiert wird, die ja bei
den Anrainern doch viel Ängste
auslöst.
Die Forscher sind jedoch bei
den Mobilfunkrisiken vorsichtiger,
wenn sie hauptsächlich
von noch mangelndem Zeitabstand
sprechen, während weitere
Studien durchgeführt werden,
um eventuelle schädliche
Auswirkungen aufzuspüren.
"Agir pour
l'Environnement" –
P.R.I.A.R.T.E.M.
- Pressemitteilung vom 12. September
2006 –
Obige Verbände
erkämpfen schliesslich
die Veröffentlichung des
Berichts, der das Gutachten
der frz. Agentur für Gesundheits-,
Umwelt- und Arbeitssicherheit,
AFSSE sehr in Frage stellt.
Paris, den 12. September 2006
: Als Folge des Aufrufs der
Verbände Agir pour l'Environnement
und von PRIARTEM an die Kommission
für den Zugang zu den Verwaltungsunterlagen
(CADA) hat das Ökologie-Ministerium
soeben die vollständigen
Text des Inspektionsberichts
der Umweltinspektion (IGE) und
der Allgemeinen Inspektion für
Sozialangelegenheiten (IGAS)
ins Internet gebracht. Es geht
darin um die Beurteilung der
wissenschaftlichen Arbeitsmethoden
der Frz. Agentur für Gesundheits-
und Umweltsicherheit (AFSSE).
Die Hartnäckigkeit der
Verbände trug den Sieg
über die Passivität
der öffentlichen Behörden
davon, welche sich bis dahin
ausgiebig abweisend verhalten
hatten. Ungefähr 8 Monate
dauerte es, und dann der Appell
an die CADA, bis schliesslich
die zuständigen Ministerien
endlich doch diesen Bericht
herausgaben. Agir pour l'Environnement
und PRIARTEM müssen leider
feststellen, dass der Ökologie-Minister
wie auch der Gesundheitsminister
verzweifelt versucht hatten,
besagten Bericht zu begraben,
um die Fehler des Vorstands
der AFSSE zu verdecken.
Der klare, genaue und eindeutige
Bericht von IGE / IGAS hat den
Verdienst, die methodologischen
Schwächen bezüglich
der von der AFSSE aufgestellten
Gutachten, im Speziellen jenes
über die Probleme des Mobilfunks,
anzuprangern.
So haben die beiden Inspektoren
von IGE und IGAS hervorgehoben,
dass "die Untersuchung
der Öffentlichen Erklärungen
der Unabhängigkeit der
10 Mitglieder der Arbeitsgruppe
aufzeigt, dass für ein
Mitglied eine 'direkte Abhängigkeit'
von einem Mobilfunkbetreiber
und für zwei andere Mitglieder
eine 'indirekte Abhängigkeit'
von einem anderen Mobilfunkbetreiber
(…) vorhanden ist. In
der Synthese wird aufgezeigt,
dass die Untersuchungen der
AFSSE auf dem Sektor Mobilfunk
sich mit Fehlern in Bezug auf
die Methodologie der eingesetzten
Prozeduren abgespielt haben.
(…) Aus diesem Grunde
ist die Agentur das Risiko eingegangen,
die Arbeit der Experten durch
Formfehler zu belasten, die
im Falle eines Streitverfahrens
von einem Richter angegriffen
werden könnten."
Für die sehr formelle Welt
der Generalinspektionen, die
sich allgemein schriftlich und
mündlich sehr gedämpft
und zurückhaltend ausdrücken
, sind solche Feststellungen
wie regelrechte Brandbomben,
die nicht ohne Folgen bleiben
können, wenn auch die zuständigen
Ministerien sehr zurückhaltend
bleiben möchten.
Beim Lesen dieses Gutachtens,
das auf jeden Fall für
die Zukunft bedeutsam sein wird,
kann man nur feststellen, dass
es jetzt in Frankreich im Bereich
des Mobilfunk kein ernstzunehmendes
und unanfechtbares Gutachten
mehr gibt. Doch angesichts der
grossen Begeisterung der Franzosen
für den Mobilfunk (über
40 Millionen Benutzer) und die
immer früher einsetzende
Verwendung der Handies bei den
Jugendlichen und Kindern, fordern
Agir pour l'Environnement und
PRIARTEM eine sofortige Erarbeitung
eines wissenschaftlich pluralistischen,
kontradiktorischen und transparenten
Gutachtens. Die Verbände
fordern darüberhinaus auch
eine tiefgreifende Reform der
Arbeitsweise der AFSSE, die
auch nicht vor dem im IGE /
IGAS-Bericht kritisierten Vorstand
Halt machen soll.
Pressekontakt
:
Janine Le Calvez – Priartém
– Tel.: 01.42.47.81.54
Stéphen Kerckhove –
Agir pour l'Environnement –
Tel.: 01.40.31.02.99
Quelle: http://omega.twoday.net/stories/2733813/
Kommentar
von Risiko Elektrosmog Kärnten:
Ist die Macht der Industrielobbys
nicht erschreckend?
Erfreulicherweise regt sich
langsam Widerstand bei den betroffenen
menschlichen Versuchskaninchen!!!