Forscher bei der US-Firma Eureka
Aerospace arbeiten an einem
Gerät, wie man es sonst
nur aus dem Kino kennt: Sie
haben eine leistungsfähige
Mikrowellen-Quelle gebaut, die
Fahrzeuge stoppen kann. Das
System, das sich an einem Auto
anbringen lässt, schießt
einen Impuls aus gebündelter
Mikrowellenstrahlung ab, um
Mikroprozessoren außer
Kraft zu setzen, die die zentralen
Motorfunktionen in einem Auto
steuern. Ein solches Gerät
könnte beispielsweise von
Polizisten verwendet werden,
um Fluchtfahrzeuge aufzuhalten.
An Sicherheitscheckpoints von
Militärbasen und anderen
sicherheitsrelevanten Bereichen
wäre es ebenfalls einsetzbar,
falls Terroristen einmal die
Schranken durchbrechen wollen.
Auch auf See könnte die
Technik verwendet werden –
beispielsweise, um unerwünschte
Boote von Ölplattformen
fern zu halten.
Eureka Aerospace will das Gerät
bereits an diversen stehenden
Fahrzeugen getestet haben und
könnte es innerhalb von
18 Monaten in Autos einbauen,
sagt James Tatoian, Chef von
der Firma und Leiter des Projektes.
Um ein fliehendes Fahrzeug zu
stoppen, wird das 100 Kilo schwere
Gerät auf dem Dach eines
Autos montiert. Dessen Spannung
wird unter Verwendung eines
16-stufigen Marx-Generators
auf 640 Kilovolt hochgetrieben.
Diese 640 Kilovolt Gleichspannung
werden dann in Mikrowellen umgewandelt
– mit Hilfe eines Oszillators,
der aus einem Paar gekoppelter
Hochspannunsleitungen und mehreren
Funkenstreckenschaltern besteht.
Diese Mikrowellenenergie wird
dann über eine speziell
entwickelte Antenne in Richtung
des Zielfahrzeuges geleitet
– durch Windschutzscheibe,
Fenster, Kühlergrill oder
den Abstand zwischen Motorhaube
und Karosserie. Dies geht überall,
wo kein Metall ist, weil dies
die Mikrowellen abschirmt.
Die abgestrahlte Mikrowellenenergie
bringt die Fahrzeugelektronik
aus dem Tritt oder zerstört
sie – insbesondere die
Chips, die wichtige Motorfunktionen
kontrollieren, etwa Zündung,
Einspritzung oder Benzinpumpe.
Solche Gerätschaften finden
sich aber nur in neueren Fahrzeugen
ab Baujahr Siebzigerjahre, bei
älteren funktioniert die
Technik naturgemäß
nicht.
Das Konzept, Fahrzeugelektronik
mit Mikrowellen außer
Kraft zu setzen, wurde 1997
erstmals von der US-Armee getestet
– mit großem und
schwerem Militärgerät.
Das Eureka-Aerospace-System
ist hingegen mit Antenne nur
maximal 2,5 Meter lang und nicht
ganz einen Meter breit. "Es
ist wesentlich effizienter und
kompakter als alles, was früher
in Militärfahrzeugen genutzt
wurde", meint Tatoian.
Die Leistungsspitze liegt bei
ganzen zwei Gigawatt, obwohl
die Durchschnittsleistung bei
einem einzelnen "Schuss"
eher bei 100 Watt liegt. Jeder
Impuls dauert ungefähr
50 Nanosekunden. Die Motoren
aller Testwagen schalteten sich
danach ab – bei einem
Abstand von rund 15 Metern,
was einem Energieoutput von
100 Joule entsprach, sagt Tatoian.
Die Firma arbeitet derzeit an
einem kompakteren Mikrowellen-Impuls-System
mit noch höherer Leistung.
Es soll eines Tages auch Fahrzeuge
aus einer Entfernung von 200
Metern stoppen können.
"Ich bezweifele nicht,
dass man mit einem leistungsstarken,
genau fokussierten Energiestrahl
auf die Mikroprozessoren den
Motor unterbrechen kann",
meint Peter Fisher, Professor
für Physik und Leiter der
Abteilung für Partikel-
und Nuklear-Experimentalphysik
am MIT. Es stecke aber viel
Arbeit darin, ein solches System
sicher zu gestalten.
Man stelle sich nur eine Verfolgungsjagd
in der Nähe eines Shoppingcenters
vor, meint Fisher, bei dem ein
Polizist dann das System anschaltet.
Viele Fahrstühle besitzen
Mikroprozessor-Kontrollsysteme
– und wenn der Strahl
in deren Richtung geht, würden
zahlreiche Leute stecken bleiben.
Auch Geldautomaten oder elektronische
Überwachungssysteme könnten
gestört werden.
Außerdem ist eine hohe
Unfallgefahr gegeben. Zwar mag
ein solches System effizienter
sein als einfache Spikes auf
der Straße, doch das Fahrzeug
würde mitten in Fahrt ausgeschaltet
und der Fahrer würde die
Kontrolle über die Steuerung
verlieren. Auch medizinisch
gesehen gibt es Bedenken –
Strahlung kann ab einer entsprechenden
Stärke Hautverbrennungen
hervorrufen und Mikrowellen
werden seit längerem als
mögliche Krebs-Auslöser
verdächtigt.
Ergo: Aktuell läge die
wohl praktikabelste Anwendung
der Eureka Aerospace-Technik
wohl in der Absicherung von
Militäranlagen, die auf
dem flachen Land liegen, meint
Fisher. Die ersten Gelder für
das Projekt stammten denn auch
von der US-Marine und nun sollen
andere Regierungseinrichtungen
beteiligt werden, um die Entwicklung
einer kompakteren Strahlerversion
zu entwickeln. Wer im Militär
mit seiner Firma künftig
zusammenarbeiten will, möchte
Tatoian aber nicht sagen –
das sei geheim.
Quelle: Technology
Review v.26.11.2007
Kommentar von Risiko
Elektrosmog Kärnten:
Obwohl so ein geplanter „Schuss“
„nur“ bei 100 Watt
–also der Leistung einer
besseren Glühbirne- liegt,
wird klar, was und wie die gepulste
Hochfrequenz zerstören
kann.
Auch wenn sie beim Mobilfunk
geringer ist, so sind die bisher
nachgewiesenen Krankheitsbilder
schon erschreckend genug, zumal
man andauernd immer intensiver
zwangsbestrahlt wird.