Die Wimax-Funktechnik
gilt als die große Hoffnung,
strukturell benachteiligte Regionen
ins digitale Zeitalter zu holen.
Feine Sache, meint eine Lobbygruppe
von Satellitenbetreibern, wenn
man davon absieht, dass dann mitunter
TV und Telefon ausfielen: Wimax
störe Satelliten-Frequenzen.
Wer irgendwo im bolivianischen
Hinterland lebt, bekommt die Segnungen
elektronischer Kommunikation in
aller Regel von oben: Ohne Satellit
läuft da oft gar nichts.
Fernsehbilder wie Telefonverbindungen
gibt es mangels Kabelverbindungen
via Satellit. Oder eben gar nicht,
wenn die Wimax-Sendeanlage ihren
Betrieb aufnimmt.
Wimax-Antenne der Telekom:
Funkt in Frequenzbereichen,
die in manchen Drittweltländern
auch für Satelliten genutzt
werden.
Genau das ist in Bolivien im
Jahr 2006 passiert, als dortige
Provider in einem großflächigen
Modellversuch den Einsatz von
Wimax-Funktechnik testeten,
um die Internetanbindung des
ländlichen Raumes zu erproben.
Die funktionierte ganz fantastisch,
nur fielen bei 80 Prozent der
Zuschauer in den Testgebieten
leider die Fernseher aus. Der
Test wurde abgebrochen.
An diese wohl spektakulärste
Anekdote aus der Geschichte
der Wimax-Testphasen erinnert
nun die "Satellite Users
Interference Reduction Group"
SUIRG und mahnt, dass der Betrieb
von Wimax-Anlagen in vielen
Regionen mit problematischer
Infrastruktur Telefonie und
TV in einem Umkreis von 20 Kilometern
um die Wimax-Sendeanlagen unterbrechen
könne.
Das gelte vor allem für
Regionen, in denen auch Satellitenbetreiber
sich noch auf das niederfrequente,
aber penetrationsstarke erweiterte
C-Band stützten: Zum Einsatz
kommen diese Frequenzen im Bereich
von 3,4 bis 3,6 Gigahertz in
der Satellitenkommunikation
nur noch, wenn es nötig
ist, beispielsweise in Regionen
des tropischen Regenwaldes einen
Satellitenempfang zu ermöglichen,
obwohl häufiger Regen oder
dichte Belaubung diesen erschweren.
Gerade in solchen Regionen,
berichtet in seiner aktuellen
Ausgabe der "New Scientist",
sei auch Wimax oft die einzige
Möglichkeit, Internetverbindungen
flächendeckend anzubieten.
Aus Perspektive der Satelliten-Lobbyisten
beißt sich da die Katze
selbst in den Schwanz - der
Protest kommt allerdings etwas
spät: Wimax wurde im Oktober
2007 von der World Radiocommunications
Conference der Internationalen
Fernmeldeunion als so genannter
3G-Standard genehmigt. Das bringt
eine erhebliche Vereinfachung
von Betriebsgenehmigungen mit
sich. Wimax gilt dank seiner
Datendurchsätze als DSL-Alternative,
kann aber auch für Telefonie-
und andere Dienste eingesetzt
werden (siehe Kasten).
WIMAX: BREITBAND-INTERNET
PER FUNK
Die Abkürzung Wimax steht
für Worldwide Interoperability
for Microwave Access. Dahinter
verbirgt sich der Standard IEEE
802.16. An dieser Technik hängen
große Hoffungen, ermöglicht
sie doch theoretisch den breitbandigen
Internetzugang per Funk über
weite Distanzen. Im Unterschied
zu bisherigen lokalen Drahtlosnetzwerken
(W- Lan), die unter optimalen
Bedingungen eine Reichweite
von nur 100 Metern bieten, können
mit Wimax bis zu 50 Kilometer
überbrückt werden.
Bei Datendurchsatzraten von
bis zu 70 Megabit pro Sekunde
(Mbit/s) bietet der Standard
zudem eine höhere Geschwindigkeit.
W- Lan schafft bisher höchstens
54 Mbit/s. Allerdings funktioniert
auch bei Wimax immer nur eine
der beiden Varianten, also entweder
große Distanzen oder schneller
Zugang. Eingesetzt werden könnte
Wimax vor allem in ländlichen
Regionen, die aus technischen
oder wirtschaftlichen Gründen
nicht mit DSL ausgerüstet
werden.
Informationen über die
Verbreitung von Internet- Zugangstechniken
in Deutschland hat die Bundesregierung
in ihrem "Breitbandatlas"
zusammengestellt.
Und es konkurriert direkt
mit den Diensten von Satellitenbetreibern.
Entsprechend lapidar reagiert
die Funknetz-Lobbygruppe Wimax-Forum
auf die Vorwürfe einer
Ende 2007 vorgelegten Studie
der Satelliten-Lobbyisten: Satellitennutzer
könnten sich vor Störungen
durch Wimax schützen, indem
sie ihre Schüsseln mit
einem Gitterkäfig schützten.
Die Satelliten-Lobby SUIRG will
nun gezielt auf einzelne Länder
einwirken, um dort Genehmigungen
für Wimax-Netze zu verhindern.
Wimax-Netze dürften in
Deutschland keine Störungen
verursachen: Hier arbeiten Satellitenbetreiber
vorzugsweise mit hochfrequenten
Verbindungen.
Quelle: http://www.spiegel.de/netzwelt/tech/0,1518,541884,00.html