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Handy-Strahlung: Von Entwarnung kann keine Rede sein ...


Interview mit Baubiologe Wolfgang Maes

Wolfgang Maes ist Baubiologe und wissenschaftlicher Berater von ÖKO-TEST. Wir haben mit ihm über die Ergebnisse des Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramms, die im Juni vom Bundesamt für Strahlenschutz veröffentlicht wurden, gesprochen.
ÖKO-TEST: Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS)gibt Entwarnung und rät in Sachen Mobilfunk gleichzeitig zur Vorsorge. Wie passt das zusammen?

Maes: Eine Entwarnung ist voreilig und wissenschaftlich nicht haltbar. Hunderte ernst zu nehmende internationale Studien weisen in den letzten Jahren bis Jahrzehnten eindeutig und immer weiter zunehmend auf biologische Probleme hin, und das Deutsche Mobilfunk Forschungsprogramm (DMF) will keine gefunden haben. Darüber ist die Fachwelt erzürnt und protestiert, spricht von amtlicher Verharmlosung. Allein in diesem Jahr sind wieder zig neue besorgniserregende Ergebnisse veröffentlicht worden, die auf zelluläre, neurologische, immunologische und hormonelle Probleme durch den Mobilfunk hinweisen, auch auf Krebs und Hirntumore, und die viel zu hohen Grenzwerte.


ÖKO-TEST: Können Sie die Widersprüche in der BfS-Argumentation einmal erklären?

Maes: Das DMF entwarnt bei Krebs und Tumoren und beteuert: „Wir wissen über Langzeitnutzung eigentlich fast nichts." Ohne Langzeitstudien sind Rückschlüsse auf Krebs gar nicht möglich. Man räumt ein, das Risiko für Kinder und Jugendliche sei nicht geklärt und unkt im gleichen Atemzug: „Die Grenzwerte berücksichtigen alle Bevölkerungsgruppen." Man gibt Unsicherheit zu und entwarnt trotzdem, obwohl, so das BfS „die Unsicherheiten einen vorsichtigen Umgang mit drahtlosen Kommunikationstechniken nahelegen". Das Eis ist mir zu dünn. Außerdem habe ich bei einer derartig ausgeprägten Industriebeteiligung immer Bauchschmerzen.


ÖKO-TEST: Was bedeuten die Ergebnisse in puncto Elektrosmog durch Handys und DECT-Telefone?

Maes: Wer vorsorglichen Schutz will, der kann sich wenig auf offizielle Grenzwerte und behördliche Aussagen verlassen. Er muss sich selber schützen.


ÖKO-TEST: Wie müsste man vorgehen, um die biologischen Wirkungen des Mobilfunks und der DECT- und WLAN-Technologie umfassend zu erforschen?

Maes: Es ist schon so viel untersucht worden, man müsste die Ergebnisse nur ernst nehmen. Vieles wird allein deshalb nicht akzeptiert, weil ein schlüssiger Wirkmechanismus aussteht. Wir wissen, dass es Probleme mit dem Mobilfunk gibt, wir wissen aber noch nicht genau, warum. Und solange diese Erkenntnis fehlt, fehlt auch die letztendliche wissenschaftliche Anerkennung. Außerdem muss man sich endlich von der traditionellen und meines Erachtens naiven wissenschaftlichen Vorstellung verabschieden, dass nur Wärmeeffekte biologisch kritisch sein sollen.


Quelle: http://www.oekotest.de:80/cgi/nm/nm.cgi?doc=akt-180808-strahlung